Oder (2004)

Zur Zeit der Erkundung der Oder im Jahre 4 ward diese noch ein gespenstiger Grenzfluss, wenig befahren und ständig bewacht. Es begann mit der beamtentümlichen Schikane schon beim Einsetzen der Boote, dass diese nationalstaatswürdig zu kennzeichnen seien. Mit knirschenden Zähnen und dreifarbigen billigsten Tape aus dem Baumarkt zu Eisenhüttenstand kamen wir der polizeilichen Aufforderung nach, um auf dem Gewässer sogleich die schwwarze Flagge der Freiheit zu hissen.



Die Oder ist von Schifffahrt nahezu befreit, ungestörte Natur breitet sich zu beiden Seiten idyllisch aus. Leider blieb uns in den künstlichen Gebilden der Nationalstaaten das polnische Ufer verwehrt, war es doch währrend der gesamten Strecke das schönere von beiden: Sandstrände und ideale Lagerstellen. Die teilweise noch ausgewiesenen Wasserwanderrastplätze muten eine seltene oder weit zurückliegende Benutzung an. Ufer sind verwachsen, Schilder verblichen.



Der wachsame Grenzschutz begleitet uns teilweise stümperhaft unauffällig bisweilen lächerlich offensiv: im Fluss zum Kühlen gelagerter Gerstensaft wird sofort inspiziert, die ordentliche Beschriftung der Boote ebenfalls. So fühlen wir uns in den Nächten sicher und geben uns Mühe, zum sicherlich langweiligen Dienst an der Grenze mit ein wenig komödiantischen Programm beizutragen.



Sowohl der Startort Eisenhüttenstadt als auch der Zielort Schwedt sind weit über ihren heldenhaften Zenit hinaus. Die Dörfer zwischen den Orten, denen man auf der Oder begegnet, sind sehr ruhig und idyllisch.



Die Oder selbst bietet durch ihren schnellen Fluss eine aufregende Kanutour, die Trostlosigkeit der Umgebung verschwindet hinter der fantastischen Flora und Fauna, und selbst die präsente Überwachung hatte ihren Reiz - entkommt man doch selbst als Naturfreund, Kanut und Freibeuter nicht der zivilisatorischen Realität.





Paddelstrecke:
Start bei km 553,4 (kartografiert)/ Zwischenvermerk bei Hohensaale-Finowschleuse km 667 (Oder) = km 93 (Kanal)/ Ziel bei km 120 (Kanal)


Strecke: 140,6km in 7 Tagen (20,1km/Tag im Mittel)





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Weites Land und ruhige Gegend. Selten Industrie.





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Auf Tour mit einem komplett restaurierten Holzkanu (schwer und unsinkbar, sehr gut bei schnellen Flüssen und plötzlich erscheinenden Hindernissen) und zwei Kajaks als Satelliten.





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Trotz Einsamkeit unter ständiger Beobachtung. Ab und zu beobachten wir zurück.





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Der schaurige Ort Stolpe, dort ist ein Landgang obligatorisch.





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