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12-2-11 von admin.
Ein weiterer Trip fuehrt mich dieses Mal ganz tief in die Staaten: Texas. Auch davor werde ich eingehend gewarnt. Mittlerweile geschult im Umgang mit den Grenzern und jeglichem Sicherheitspersonal finde ich mich ziemlich schnell in einer komfortablen 737 wieder, die mich in knappen drei Stunden nach Dallas bringt.
Hier bin ich zum ersten Mal beeindruckt von dem riesigen, aber dennoch sehr ambitionierten und technisch voll ausgestatteten Flughafen. Daber versagt der Ostdeutsche schon an der Drehtuer. Bleibt stecken, loest einen Alarm aus und wird von einer aus dem Navi bekannten Frauenstimme in einer Endlosschleife darauf hingewiesen, „den Knopf“ zu druecken. Der einzige Knopf sieht zwar aus wie ein Notaus und laesst mich Zoegern, aber meine Erfahrungen der Folgen, nicht auf Frauen zu hoeren, lassen meine Hand schmunzelnd zum Knopf gleiten. Natuerlich wurde es schlimmer und lauter, hektisches Personal eilt heran und ich kann gerade noch durch die nun rueckwaerts bewegliche Tuer und einen seitlichen Ausgang fliehen. Witziges Spiel. Im Shuttle zu einem anderen der fuenf Terminals, wo ich weitere Kollegen erwarte, ueberlege ich glatt, das zu wiederholen. Dort allerdings ist das ueberwachende Personal zu zahlreich. Und lustig verkleidet. Kaum zehn Sekunden stehe ich rum, schon fragt mich die erste Dame in Pfadpfinderuniform, wie sich spaeter herausstellt, sieht hier die Polizei so aus, ob sie mir helfen koenne. Freundlich nehme ich das Angebot an. Aber die oberflaechlichen Antworten zum Flughafen kann man sich auch so zusammenreimen: “Sie stehen an einem Kofferband, wenn ihre Kollegen Koffer haben, muessten sie hier vorbei kommen”. Ach. Danke. Also warte ich auf einer Bank auf die Ankunft der beiden. Schon kommt der naechste Greis und bietet mir Hilfe an. In Deutschland haette ich sein Outfit in Richtung oberbayrischer Kleinwildjaeger eingeordnet. Hier in Texas bekomme ich langsam eine leise Ahnung, was mich erwartet.
Auf den Highways merkt man, wo die Oeldollars stecken. Waehrend man Autobahnkreuze simpel mit einer Bruecke und entsprechenden Rampen bauen koennte, hat man hier den Eindruck, man musste mit der Strasse so weit wie moeglich der Erdanziehung entfliehen. Schon Meilen vor dem Kreuz gehts dem Himmel entgegen. Spinnenartige Skyways verwirren ob der staendig aendernden Richtung. Diejenigen, die es wagen, diese Bermuda-Dreiecke ohne Navi zu befahren, suchen heute noch verzweifelt den richtigen Ausweg. Und was fuer Brueckenbauten. Natuerlich auch gleich fuer saemtliche Strassen, so dass man gar nicht mehr weiss, was ueberhaupt ueberbrueckt werden soll. Jedenfalls sieht so jedes Kreuz aus, was uns begegnet. Beeindruckend.
Von den Einwohnern war ich eher enttaeuscht. Anstatt korpulenter bildungsferner Durchschnittsamis haette ich den typischen Cowboy mit Colt, fransiger Jeans und bohnensuppendurchsippten Cowboyhut erwartet. Aber vermutlich muss ich dafuer weiter aufs Land raus. Pick-up-Trucks dominieren das Strassenbild, soviel war schon vorher klar, aber von den Dimensionen bin ich immer wieder beeindruckt. Zum Dinner gibt es natuerlich ein schoenes Steak, was im richtig gewaehlten Restaurant auch ehrlich gesagt ein echter Genuss ist. Und auch hier faellt wieder der Ossi auf, der nur die 18 Unzen Fleisch bestellt, dafuer aber den Teller leer kriegt, waherend die amerikanischen Tischgenossen sich fuer die 26 Unzen entscheiden, um die Haelfte uebrig zu lassen. Und das bei $50 pro Teller.
Am naechsten Morgen geht es schon zurueck, natuerlich nicht ohne abschliessende Komik. Mich auf einen entspannenden Flug freuend, wird mir mitgeteilt, das Flugzeug wurde downgegraded. Um es kurz zu machen: kennt ihr noch die Maschinen aus Filmen wie “Liebling ich habe die Kinder geschrumpft”? Irgendein Geheimprojekt der Nasa in Texas muss so etwas mit den Flugzeug gemacht haben. Es gab nicht mal mehr Platz fuer Handgepaeck. Und ich freute mich riesig, den wegen der kleineren Maschine ja laengeren Rueckflug wie folgt geniessen zu duerfen: natuerlich Fensterplatz, so dass der Kopf im leichten Neigungswinkel zum Rumpf gehalten werden muss. Zudem sitzt neben mir ein vermeintlicher Footballspielers, der nicht nur die Armlehne, sondern auch ordentliche Zentimeter von meinem Platz beanspruchen muss. Auf meinem kleinen Tischchen wurde dann auch das kleine Kaeffchen im Styroporfingerhut serviert. Dazu eine Erdnuss zum Knabbern. Und eine Serviette in Groesse der Abtropfringe bei Bierglaesern in Kneipen. Zu allem Ueberfluss ist die Dame hinter mir auch noch erkaeltet.
So uebertuenche ich meinen koerperlichen und seelischen Schmerz mit ob der lautstarken Motoren neben mir nur wage zu erahnender Musik des voll aufgedrehten mp3-Players und den Erinnerungen an Texas. Gerne wieder.
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11-30-11 von admin.
Hier mal ein Versuch die multimedialen Groessen zu verschmelzen: BLOGGEN und YOUTUBEN. Aufgrund gezwungener Umgehung kleinbuergerlicher Eigentumsrecht, ist es eher die russische Variante RUTUBEN geworden, aber seht selbst die schon laenger veroeffentlichen Beitraege:
Baby, you can drive my car - Eindruecke torontianischen Cruisens
In the carwash -noch mehr Highway to Hell
Whiskey in the jar - Milwaukee’s greatest
Toys, toys, toi!s - Weihnachtliche Werbeparade durch Toronto
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11-30-11 von admin.
Der Herbst kam und ging. Und zwar ziemlich schnell. Die hier als Indian Summer bekannte golden und blutrote Faerbung der Ahornwaelder konnten wir gerade mal den knappen Oktober lang bewundern. Auslaeufer der Hurricans sowie der trockene und heisse Sommer haben die Blaetter schnell braun gefaerbt oder abgeweht. Dennoch konnten wir um Toronto einen kurzen Eindruck der wundervollen Stimmung gewinnen.
Alsbald wird der Ontariosee von weiteren Herbststuermen aufgwuehlt und hohe Wellen mit Schaumkronen und entsprechender Gischt peitschen gegen die Kaimauern der Stadt. Der CN-Tower liegt in Wolken und graue Schleier tauchen die Strassenschluchten in mystisches Ambiente. Morgens hingegen taucht der Sonnenaufgang die Silhouette in junges Rot, das von den Wolkenkratzern der Stadt eindrucksvoll gespiegelt wird und die belebten Highways in Lavastroeme eines nahezu perfekt funktionierenden Vulkans verwandelt. Und der Schornstein qualmt…
Um mehr vom Leben ausserhalb der Stadt zu erfahren, besuchen wir den Zoo zu Toronto. Dieser ist durch sein gleichgeschlechtliches Liebespaar, die schwulen Pinguine, beruehmt geworden. In letzer Zeit sorgt er eher fuer traurige Schlagzeilen, da die Stadt aus finanziellen Gruenden die Elefanten an einen nicht den allgemeinen Standards entsprechenden US-Tierpark verhoekern will. Ja, auch ausserhalb Europas gibt es noch etwas zu privatisieren und sparen….
Der Zoo in Toronto ist verdammt gross. Hier hat man ja auch Platz… Und so entscheiden wir uns, lediglich den kanadischen Teil anzusehen. Neben der Tierwelt lernt man hier sehr viel ueber das Leben und die Kultur der First People, Kanadas Ureinwohner. Und nachdem wir die Waschbaeren und Squirrels wiedererkannt hatten und die Centipeden vermissten, gehts an die Neuentdeckungen. Wir lernen, dass es sage und schreibe acht verschiedene Schildkroetenarten hier in Ontario geben soll. Zudem nennen Schlangen und gefaehrliche Spinnen, wie die schwarze Witwe, diese Landschaft ebenfalls ihre Heimat. Es kann also noch schlimmer werden. Dann aber entdecken wir die groesseren Tiere und sind von den riesigen Weiden, die die Hirsche und Elche haben, beeindruckt.
Von einem Huegel aus kann man am Rande eines Waldweges, eine grosse Bisonherde weit unten im Tal beobachten. Dabei fuehlt man sich wirklich als Trapper zumal der anderthalb Stunden andauernde Weg dorthin wenig frequentiert ist. Friedlich und kaum ihrer traurigen Geschichte bewusst, kauern sie im Glanz der herbstlichen Sonne. Meister Petz und seine Sippschaft sind auch vertreten. Als den groessten seiner Art kann man den Polarbaeren beim Tauchen und Fischen beobachten. Gegenueber sonnen sich die Polarwoelfe gleichwohl ihrer fuchsigen Genossen. alles in allem haben wir also einen ganzen Tag lang die Bewohner Kanadas studiert, ein wahrlich eindrucksvolles Gehege.
Das macht Lust auf die richtigen Parks und uneingeschraenkte Wildnis…
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10-16-11 von admin.
Milwaukee ist langweilig? Weit gefehlt! Urspruenglich fuer eine Durchfahrt aufgebrochen, offenbaren sich mir wahre Schaetze der Industriegeschichte. Amerikanischer Industriegeschichte. Verlassene Fabrikgebauede laden direkt zum Erkunden ein! Einmal mehr enttauscht, nur eine Handykamera dabei zu haben, versuche ich die ungeschliffenen Diamanten fuer euch einzufangen. Dabei entdecke ich noch die Fabrik sowie das Museum von Harley Davidson. Und so wird mir an diesem Tag wieder klar, wie wichtig es ist, dem zweiten Eindruck eine Chance zu lassen und auch mal genauer hinzuschauen, haleluja…
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10-15-11 von admin.
Chicago. DER Schauplatz zum Beginn der Arbeiterbewegung. Ueber hundert Jahre zuvor wurden hier Anarchisten aus Deutschland verurteilt und ermordet. Ein guter Platz also, um mit temporaerem Duldungs-Visa den modernen Klassenkampf unter die Lupe zu nehmen. Als Anarchist aus Deutschland. Da in Milwaukee eh grad nichts los ist, fahre ich mit dem Zug in die Metropole am Michigansee. Hier in einen Zug zu steigen, ist fast, wie zu fliegen. Nur mit gueltigem Ticket gelangt man zum Bahnsteig. Dieser ist auch ueberdacht, trist und dunkel. Eine Betonwueste, in der die staehlernen Giganten sich wie zum Abschuss bereite Silberpfeile dem gleissenden Licht entgegenstrecken.
Die Zugfahrt fuehrt durch endlos scheinende Waelder und Heiden, herbstlich in rot und braun gefaerbt. Kleinere Siedlungen aus Holzhuetten und ab und zu eine Farm vollenden die impressionistische Idylle, gestoert vom Horn des Zugfuehrers, der an den stets unbeschrankten Bahnuebergaengen die hier kreuzenden Einsiedler warnen muss. Im Morgengrauen lande ich im Herz Chicagos und erlebe sogleich den Fluch der parallel angelegten Strassenschluchten: Wind. Sehr starker Wind blaest mir die letzte Nachttruebe aus dem erstaunten Gesicht. Mein Blick schweift die riesigen Wolkenkratzer empor, und dieser Anblick beeindruckt mich tief. Vor allem die historischen Steinstalagniten mit ihren rostigen Feuertreppen wecken mein Interesse. Und immer wieder habe ich das Bild der pausierenden Bauarbeiter auf dem Stahltraeger hoch ueber der Stadt vor Augen. Die Stadt ist noch leer und bleibt es auch waehrend der weiteren Spaziergaenge durch schattige Haeuserschluchten. Alsbald erreiche ich das Pier und im wunderschoenen Sonnenschein geniesse ich den ersten Kaffee vor der Silhouette der Stadt sowie den Anblick vorbeijoggender… aber lassen wir das.
Auf der Museumsinsel - bin wohl zu oft in Berlin gewesen - am museum square, reihen sich die Touristen schon brav in die Schlangen ein. Ob des blauen Himmels entschliesse ich mich fuer ausschliessliche Outdooraktionen und komme so zum Milleniumpark. Kunstvolle Gebilde, fuer die kaum eine Beschreibung meinerseits wuerdig sind, saeumen den Park. Und auch wird langsam voller. Weiter gehts an historischen Hauserschluchten vorbei zum Navy Pier, das eher eine Vergnuegungsmeile ist.
Vergnuegt schlendere ich also weiter und erreiche das Finanzviertel. An einer Kreuzung saeumen froehliche Protestler den Strassenrand. Mit selbstgemalten Schildern verurteilen sie das Steuersystem, den Kapitalismus oder gleich Amerika. Von Trommelkonzerten begleitet, applaudiert die Bewegung jedem vorbei kommenden hupenden Fahrzeug. Dabei wird nicht nach schwarz oder weiss, Hippibulli oder Bugatti unterschieden. Erneut bin ich beeindruckt. Junge Sozialisten wie auch alte Kommunisten verteilen ihre Schriften und an einem benachbarten Denkmal laedt man zur Diskussion, die mit dem Einfuehrungsvortrag “Marx was right” beginnt. Anmerkung fuer dien anglogermanischen Laien: das bedeutet „Marx hatte Recht“ und nicht „Marx war ein Nazi“. Mehr oder weniger gebannt lausche ich den Beitraegen und tausche mich mit einer jungen Sozialistin ueber die Streiks, Arbeitskaempfe und die Bewegung aus, waehrend ich schmunzelnd die etlichen Mc Kaffees in den Haenden der Aktivisten betrachte. Alles in allem scheint der Klassenkampf hier recht friedlich und gesetzestreu zu verlaufen. Deshalb erspare ich mir die geplante Demo und trete den Heimweg an. Zum Schluss wird es dunkel in Chicago, und ich spuere wie diese Sdtadt mehr zu bieten hat, als ich in der kurzen Zeit wahrnehmen konnte. Dehalb verabschiede ich die nun leuchtende Metropole mit dem Versprechen, wieder zu kommen, um mindestens dem Haymarket, der schwer zu finden ist, da es ihn nicht mehr gibt, noch Respekt zu zollen.
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10-12-11 von admin.
Ein weiteres Mal verschlaegt mich eine dienstliche Reise in die Staaten. Ueber die Einreiseprozedur verliere ich in diesem Bericht mal keine Worte. Interessant sind vielleicht meine ersten Erfahrungen mit dem Nacktscanner. Aber eigentlich auch nicht: der Haarausfall war schliesslich vorher schon da und wird sicherlich eher von den Hotelconditionern beguenstigt als von hochdosierter Strahlung.
Die Reise endet in Milwaukee und nach schon wenigen Tagen verlangt es nach einer neuen Reportage aus dem Land der Bekloppten und Bescheuerten. Um die Kritik geneigter Leser gleich mal abzuschwaechen: MIT SICHERHEIT gibt es auch gute, wertvolle Dinge in den U.S.A.. Die haben sich mir in den - nun doch schon haeufigen - Trips in die Freiheit nicht wirklich erschlossen. Aber ich schwaerme ja auch nicht fuer Hannover, also belassen wir es bei einer einzelnen Meinung.
Zudem gehe ich durchaus entspannt und wertfrei in das Vorspiel, das bei mir aus einem tatsaechlich Braukunst erkennen lassenden Bier und dem dazu passenden 3. Rueckspiel der Milwaukee Brewers in St. Louis besteht. Richtig: Baseball. Da ich mit Eishockey noch nicht richtig warm werde, versuche ich es mal mit diesem Sport. Nun hat Baseball den Ruf, zu komplizierte Regeln zu haben. Aber mal ehrlich, welche Sportart hat diesen Ruf nicht, ausser Klingonen-Scrabble? Und hey, die Amis SPIELEN Baseball. Als ein Mitglied der ehemaligen neuen Bundeslaender hat man ja den Vorteil, die Regeln schon als Kind gefaelligst gelernt zu haben. Richtig, ich spreche von Brennball. Nein, dass ist nicht Voelkerball, sondern die ungefaehrliche Baseball-Version ohne Keule mit Basketball und Barrenhockern als Bases. Tja, im Frieden hat man noch was gelernt. Dementgegen konnte man im Westen natuerlich auch einfach sein Kind zur doerflichen Jugendbaseball-Manschaft schicken, was sicherlich den gleichen und vielleicht auch praxisbezogeneren Lerneffekt hatte. An dieser Stelle mal einen Gruss an die Lehrscher Storcks, die ich zwar nie spielen gesehen habe, aber deren Ruf unheimlich gut war. Lag wahrscheinlich an dem Mythos der unverstaendlichen Spielregeln…
Inzwischen gab es inmitten dieser Dauerwerbesendung tatsaechlich mal drei Szenen, an denen Baelle geworfen und verfehlt wurden. Das Spiel soll drei Stunden gehen, bin gespannt, wieviele Szenen ich dabei sehen werde. Ja die Werbung. Bei diesen Dienstreisen erfahre ich immer wieder aufs neue, warum ich seit Jahren keinen Fernseher mehr habe. Ich kann deshalb nicht beurteilen wie es in Europa um die Werbeeinblendungen steht, aber hier sind sie zufaellig (ja ich habe nach einigen Stunden des Zeitstoppens kein Muster entdecken koennen) in Auftreten, Haeufigkeit und Dauer. Zu meinen televisuellen Erfahrungen zaehlte auch noch, dass Ankuendigen kommender cineastischer Highlights auf dem Sender das Ende des Werbeblocks verkuendeten. Weit gefehlt in diesem Land, danach kommt munter weiter Werbung und ganz zufaellig geht der Film irgendwann weiter. Oder das Sportquiz. Naja, so etwas findet man auf diesem Kontinent natuerlich nicht, dazu sind die Kollegen hier zu pruede. Und das merkt man auch schon an den Liedern, in denen saemtliche erokuenstlerische Freiheit durch hohe Toene unkenntlich gemacht wird. Die Leserschaft mag sich vielleicht vorstellen, wie sich Snoop Doggy Dog hier im Radio anhoert.
Dennoch praesentieren die Einwohner hier ungeniert ihre Unfoermigkeit. Das faellt zumindest in diesem Landstrich sehr auf. Vor allem: ich falle auf. Als Spargelstange im Kartoffelfeld kann ich ungefaehr die Gefuehle einer Blondine in Italien nachvollziehen. Und man sucht hier auch vergebens Sportstaetten. Ein Fitnessstudio kommt auf sieben Kirchen und dreizehn Burger-Ketten. Das Hotelfruhstueck zaubert als einzigen halbwegs natuerlichen Teilnehmer eine gruene Banane heraus, aber es gibt drei Regale mit Torten. Der mager scheinende Fruchtfleisch-simulierende Yogurth hat mehr unbekannte Ersatzstoffe als der Kuehlschrank der ISS am Independent Day. Das Ganze wird serviert mit Wegwerf-Tellern, -Besteck und sogar –Kaffeetassen. DAS gibt kein gutes Gefuehl fuer einen guten Start in den Tag.
Und dann geht es auch gleich im Fahrzeug weiter. Das amerikanische Leihwagen-Modell macht einen robusten und modernen Eindruck. Nur frage ich mich, warum ein Ford Fokus serienmaessig blind spot Spiegel eingebaut hat (Tote-Winkel-Spiegel hoert sich nicht an, aber das ist gemeint), waehrend die Pick-Up Trucks oder Busse darauf verzichten. Aber egal und bequem fahre ich zum naechsten Highway, als in der Auffahrt eine Ampel auftaucht. Diese wechselt von Rot auf Gruen, das davor stehende Fahrzeug setzt sich in Bewegung und ich folge ihm. Ploetzlich und sofort springt die Ampel wieder auf Rot und nach kurzem Hardern gehe ich sofort in die Eisen. Dazu sei angemerkt: wenn ihr die Highway-Patrol hier gesehen habt, wollt ihr nur noch brave Verkehrsteilnehmer sein. Und diese Staturen kann man wirklich Bullen nennen, Respekt. Also die Vollbremsung. Erfolgreich aber mit einem leichten Schlag ins Kreuz. Ein Blick nach hinten verraet mir, dass es die Rueckbank aus der Verankerung gerissen hat. Grossartig, und das noch ohne Ladung… Aber widmen wir uns wieder der Ampel. Gruen. Was soll das? Steht ein Cop mit einer Fernbedienung hinterm Busch und sucht Opfer? Ich fahre erstmal vorsichtig weiter und just beim Passieren der Ampel schaltet diese wieder auf Rot. Und schon droppt der Penny: was der moderne Wolfsburger in seine Badeland-Rutschen montiert hat, hat der Milwaukee zur Verkehrsbeeinflussung seines Highways installiert: die Bahn-Frei-Ampel. Und tatsaechlich: wenige Meter weiter und direkt im Stau beobachte ich eine weitere Auffahrt, in der nur alle zehn Minuten ein Fahrzeug durchgelassen wird, um den Stau zu entlasten. Gar nicht mal so schlecht, denke ich mir und folge beeindruckt dem Verkehsfluss.
Im Cruisen durch Wisconsin gerate ich in mehrere Anomalien aus Szenen links und rechts der Strasse und Erinnerungen an die vielen jugendbegleitenden amerikanischen Endzeitfilme. Die typischen Briefkaesten stehen hier wirklich direkt an der befahrenen Strasse und vom Haus auf diesen Heidepark-grossen Grundstuecken noch nichts zu sehen. Sofort stellt sich die Szene aus „stand by me“ ein als die Briefkaesten mit einem Baseballschlaeger aus dem fahrenden Pickup abgeschlagenen wurden. Der Film ist von `86 und diese Leute hier haben nichts dazu gelernt? Hm, wie stehts eigentlich beim Baseball? Ah, Werbung, nagut. Weiterhin fallen mir wehende amerikanische Fahnen auf. Ja, Fahnen. Flaggen und Aufkleber findet man wirklich ueberall, aber tatsaechlich gibt es auch keinen Landstrich, in dem nicht eine uebergrosse Fahne weht. Und zwar nicht in den Dimensionen, um den Sarg eines heldenhaft gefallenen Soldaten abzudecken, sondern in den Dimensionen, die vierundzwanzig Marines beduerfen, die gerade so den Mast halten koennen. Ihr kennt doch auch die Filme, wo nach heldenhaften aber verlustreichen Einsatz ein Standort aufgegeben, und die US-Fahne eingeholt und gefaltet wird. Solche Fahnen, die siebzehn Mal gefaltet werden bevor sie auf die Ladeflaeche des Sattelschleppers passen: genau solche Fahnen wehen hier in den Vorgaerten bedeutender Leute oder von amerikanischen Autohaeusern.
Stolz aufs Land aber magere Qualitaet, wie mich meine Rueckbank wieder erinnert. Und schon denke ich an das letzte Erlebnis auf einer oeffentlichen Toilette. Von dem auf der Arbeit hier will ich gar nicht erst reden. Es hat mich schon schockiert, dass mir der supervisor ein „be careful“ mit auf den Weg zum restroom mitgibt. Und das nachdem wir aus der Produktionshalle voll mit spanenden Maschinen, nicht abgeschirmten Robotern und offen rotierenden Produktionsteilen kommen… Jedenfalls moechte ich lediglich die Kabinenbauweise der oeffentlichen Erleichterungsanstalt bemaengeln. Als ehemaliger Mitarbeiter eines mitteleuropaeischer Automobilunternehmens hatte ich oftmals genug von der Penetration bezueglich der Spaltmasse zwischen den Teilen. Auf dem Pott in Amerika weiss ich nun, was mir fehlt. Der Spalt zwischen Tuer und Wand ist hier so gross, dass man locker eine Rolle Toilettenpapier durchreichen koennte. Und direkter Blick zur oder von der Eingangstuer. Sehr unangenehm. Und genau das bringt mich zur Sinnfaelligkeit der schon wieder neuen Werbepause und zum Ende dieses Eindrucks aus Amerika. Das war noch kein Homerun. Vielleicht ueberzeugen mich die naechsten Tage mehr. Ihr werdet es als erstes erfahren.
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10-6-11 von admin.
Ein interessantes Phaenomen des kanadischen Wohnstils stellt das Fehlen von Klingeln dar. An den Haustueren der viktorianischen Gebauede sucht man vergebens den Druecker, der auf die Anwesenheit des Besuchs aufmerksam machen soll. Nun fallen wir in der kanadischen Gemeinde schon auf, weil wir es uns nicht nehmen lassen, ein Namensschild neben der Eingangstuer zu befestigen. Eine zusaetzliche Klingel wuerde Nachbarn und Ureinwohner sicherlich noch mehr verwundern. Da es mir aber tierisch auf die Nerven geht, dass potentielle Besuchsnomaden mein (gemietetes) viktorianisches Holz-Glas-Pforten-Kunstwerks mit Innenstadt verstaubten Fingerknoecheln tuschieren, mache ich mich also auf die Suche nach geeignetem Gelaeut.
Obwohl sie kaum jemand nutzt, findet man tatsaechlich ein paar Tuerfanfaren in ausgewaehlten Baumaerkten. Nun verlegte ich gedanklich schon die Kabel und suchte imaginaer einen geeigneten losen Backstein fuer den Durchbruch, als mein Auge von einem magischen Wort entzueckt wird: wireless. In einer Wahnwelt der elektromagnetischen Verstrahlung ein Begriff des Fortschritts und des erbarmungslosen Erfolgs. Natuerlich habe ich keine Wahl mehr.
Zudem laesst mich ein bestimmtes Szenario den kabelgebundenen Kollegen wieder ins Regal stellen: wie der aufmerksamen Leserschaft sicherlich noch in Erinnerung geblieben ist, hat der historische Kabelsalat an saemtlichen Aussenfassaden zu bedingungslosen und mutwilligen Verbindungszerstoerungen seitens einer Telekommunisten-Firma gefuehrt. Aus dem einfachen Grund: sie wissen nicht mehr, wozu dieses oder jenes Kabel gut ist, also kappen wir erstmal alles, um Informationszecken das Wasser abzugraben. Wer sich dann beschwert, wird wohl auch bezahlen. So war es dann ja auch mit meiner neu gelegten Internetleitung. Und jetzt noch ein neues, wenn auch duennes, Kabel verlegen? Lieber nicht, und unsichtbar den Zweck erfuellen. So wandert der gute wireless Freund mit Klangbild F fuer schlappe 20 Dollar in meiner Tasche und wird zuhause zufrieden installiert. Batterie in den Druecker und Test. Melodie geht. Naja, Melodie ist gut, der typische Zweiklang-Gong geht. Entfernung ausprobiert, toll, klappt sogar vom Keller aus. Nur das da weder eine Haustuer noch ein guter Platz fuer den Gong ist.
Erst jetzt faellt mir auf, dass der Hund in der Wohnung ueber uns verrueckt spielt. Nein, denke ich mir, das kann nicht sein. Leider doch. Ich deinstalliere den Gong, betaetige den Druecker und spitze die Ohren. Ein leiser Ton ist wahrzunehmen, woraufhin der Hund klaefft und durch die Wohnung flitzt. Das probiere noch ca. 30 Mal aus und habe die Gewissheit: meine Nachbarn haben offensichtlich gleiches chinesisches Modell, was weltweit sicherlich nur mit ein und derselben Frequenz arbeitet. Betruebt widme ich mich dem Alkohol.
Spaeter am Abend moechte ich es denn noch einmal wissen. Ich druecke erst zaghaft meinen Klingelknopf, hoere ein lautes Bellen aus der ueber uns liegenden Wohnung, und fange an, mit dem Druecker leicht zu Morsen. Dann Schritte. Schnell loesche ich das Licht. Ich hoere die Treppe und sehe durch die Jalousien meinen Nachbarn, der im Abendmantel verstoert die Veranda absucht. Ein leichtes Grinsen huscht ueber mein Gesicht.
Was fuer eine Macht doch in so einem kleinen Stueck Plastik steckt… fuer 20 Dollar. Um statistische Gewissheit zu haben, probiere ich das Spiel bis Mitternacht stuendlich aus, danach gehe ich zufrieden schlafen und weiss, dass es ungestraft keine lauten Partys ueber mir geben wird.
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9-26-11 von admin.
Eine starke Boee fegt ueber den Asphalt und spielt mit den weichen, langen Haaren des kastanienbraun schimmernden Schwanzes. Die umgebenden Baeume der zu dieser Zeit minder befahrenen Allee stimmen rauschend ein in die Melodie des Spaetsommers. Traurig wiegen sich die lichter werdenden Zweige angesichts des nun auch in dieser Strasse umherschleichenden Todes. Der blutige Kopf des kleinen Nagers verschmilzt mit der groben Koernung des billigen Asphalts und seine geschlossenen Augen zeugen von der Melancholie dieser Jahreszeit: er wusste genau, das er sterben wuerde…
Dann faehrt ein schwerer Omnibus ueber den noch warmen Leib des soeben aus dem Leben geschiedenen Tieres und drueckt ohne merklichen Widerstand den Rest des Kadavers in den Belag der einst so lebendigen Strasse. In gleicher Geschwindigkeit faehrt der Bus weiter und passiert mein offenes Fenster. Stille Schreie einer befreiten Seele dringen in den dunklen Raum, und verhallen ungehoert… Stumm blicke ich aus dem Fenster zur Ungluecksstelle, hebe mein Glas auf das so viel Freude spendene Wesen, und widme mich wieder den menschlichen Problemen.
Und diese sind bekanntlich weit weniger dramatisch: viel zu ueberzogene Hysterie auf den Finanzmaerkten, Reunion von Kirche und Staat im Bundestag und eigentlich versinkt alles in strahlender Harmonie… ebenso wie das Rickard’s in meiner Kehle. Ja, ich habe endlich ein Gebraeu gefunden, das dem Begriff “Genuss” wieder wuerdig ist. Rickard’s gehoert zwar zur grossen Molson-Brauerei, zeugt allerdings – anders als das uebliche Bier von Molson – von Geschmack. Und das in verschiedenen Richtungen. Hier gibts das Rote, das ein buchenfassgereiftes Wildes imaginiert, das herbe dunkle, das die saechsische Schweiz ins Glas holt oder aber ein blondes Pils, was angeblich deutscher Pils-Braukunst nachempfunden wurde, aber eher an hopfiges, verduenntes Bockbier erinnert. Die anderen beiden sind aber – verglichen mit den Mitbewerbern – gut. Also, ein Prosit in Gedenken an die vielen Opfer der Strasse, die uns am naechsten ist und auf ein Wohl auf einen gemuetlichen Tagesausklang im Beginn des Herbstes, auf welchem Kontinent auch immer!
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9-17-11 von admin.
Summer ends these days, so some picture impressions of our first three month:
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8-31-11 von admin.
Neues vom Nagetier. Unlaengst berichtete ich von den Ratten kanadischer Grossstaedte, den Squirrels, und ihrem nicht immer leicht nachvollziehbaren bekloppten Verhalten. Die Diskussion mit einem Aktivisten der hier zahlreich vertretenden Umweltverbaende plausibilisierte mir eine Erklaerung. Die Squirrelpopulation in Toronto entstand und vergroesserte sich aus Inzest, weshalb die meisten dieser Nager einfach doof sind. Vielleicht ist jetzt dem geneigten Leser klar, warum sie so drollig sind. Die Tiere bieten unglaubliche Shows. Zu jeder Tageszeit und an jedem Ort. Am vergangenen Wochenende habe ich erstmalig ein Squirrel schlafen sehen. Samstag mittag. In einer Baumgabelung mitten auf dem belebten Marktplatz. Offensichtlich kein ruhiger Schlaf, denn in regelmaessigen Abstaenden wand es sich und wechselte die Liegeposition. Man muss sich hierbei Sid auf dem Stein vorstellen, um eine Vorstellung vom Geschehen zu bekommen. Den Hoehepunkt allerdings stellte die sitzende Haltung da. Auf den Hinterpfoetchen abgestuetzt, Arme baumelnd und den Kopf vornueber in die zarte Brust vergraben. Unglaublich. Nunja, zuweilen also bekloppt. Der Inzest-Theorie folgend gab es also mal zwei kontraergeschlechtliche Auswandersquirrels, die in Toronto ihr Glueck versuchten, ob der zahlreichen Nahrung eine Familie gruendeten und die Population aufbauten. An die Folgen fuer ihre Gattung hatten sie dabei wohl nicht gedacht. Lasst euch das eine Lehre sein, ihr abgeschiedenen Doerfer Norddeutschlands…
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Von Versicherungsvertretern und Bankfachkraeften. Die Ueberschrift laesst eine weitere detaillierte Abhandlung ueber die soziale und humanitaere Unfaehigkeit dieser Berufsgruppen vermuten. Davon kann bestimmt jeder Leser und jede Leserin berichten und der Blog wuerde ob der Geschichten aus Begegnungen mit dieser Art der Gesellschaft sein kapazitives Limit erreichen. Nein, an dieser Stelle mal voellig unerwartete positive Erlebnisse in Interaktionen mit Bank und Versicherung: Nun benoetige ich fuer meinen Autokauf ja etwas Geld, was nebenbei bemerkt als Mensch ohne kanadische Historie nicht leicht zu bekommen ist. Ich spreche mit meinem Bankmann also ueber eine Finanzierung. Dieser rechnet mir alles vor und - nun das verwirrende - empfiehlt mir andere Stellen, bei denen ich womoeglich bessere Zinsen bekomme. Das macht er ganz offiziell und laut, und ohne Ruecksicht auf die ihn ueberwachende Mitarbeiterkamera. Wo gibts denn so etwas? Ebenso die KFZ-Versicherung, die mir als Automobilclub-Mitglied keinen Rabatt geben kann, kommt ja vor. Ich hatte ein einfaches Nein erwartet. Stattdessen nennt und empfiehlt sie mir ihre Konkurrenten, die den Rabatt anbieten. Das hatte ich bislang noch nicht erlebt. Auch Verkaeufer nehmen kein wettbewerbshemmendes Blatt vor den Mund. Sie empfehlen, bestimmte Dinge lieber im Netz zu kaufen. Und ein weiterer Dealer gab auch umfangreiche Tipps fuer den Autokauf mit dem Wissen, bei ihm werden wir keine Kunden. Die Philosophie scheint anders zu sein als in der Heimat bekannt. Irgendwie menschlicher…
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