Fire Maple Song

So geht denn der Winter ins Land, und der Fruehling breitet seine Fuehler in ungewohnt rascher Weise aus. Im Fruehling ist dieses Land fuer die einheimische Ahornsirupernte bekannt. Dieser wird aus, dem geneigten Leser wird es auf der Zunge liegen, Ahornbaeumen gewonnen. Und genau dieser Prozess interessiert uns, so dass wir an einem lauen Tag im Maerz eine Farm aufsuchen, die die Ernte in einem grossen Fest zelebriert. Blauer Himmel und vom starken Wind zerrissene Wolken bilden den Kontrast zu den schon gruenen Wiesen und noch grauen Waeldern. Ein Empfangskommitee aelterer Farmer erklaert uns die angebotenen Events an diesem Festival. Wir wenden uns dem Wald zu und entdecken in verschiedenen Stationen die Geschichte des so bekannten Suessungsmittels.

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Die Ureinwohner Kanadas, First Nations oder in eurozentristischen Bildungssystemen auch als Indianer bekannt, entdeckten zufaellig die Suesse der Fluessigkeit des Ahornbaumes, wenn man diese laenger kocht. Daraus entstand eine Moeglichkeit, Zucker zu machen, einem wichtigen Naehrstoff, der haltbar und lagerfaehig war. Um den Saft zu gewinnen, wird die Rinde des noch nicht knospenden Ahornbaumes angebohrt und ein Gefaess zum Sammeln installiert. Dieses fuellt sich mit der Zeit mit einer durchsichtigen und niedrigviskosen Fluessigkeit, die truebem Wasser nahe kommt. Diesem Waesserchen allein entlockt man keine Suesse. Kocht man den Saft aber ueber mehrere Stunden, so verdunstet das Wasser und eine suesse Fluessigkeit entsteht. Die First Nations nutzten dazu einen halben ausgehoelten Stamm, in dem die Fluessigkeit mit auf dem Feuer erwaermten heissen Steinen zum Kochen gebracht wird. Die Steine wurden immer wieder ausgetauscht, ein sehr langwieriger Prozess. Dieser wird dann so oft wiederholt, bis der Sirup entsteht. Bei weiterer Zugabe von Waermeenergie bilden sich Zuckerkristalle, die dann das begehrte Endprodukt darstellen. Da hatte das Dorf aber ganz schoen was zu tun, denn eine grosse Menge des Ahornbaumsaftes ist notwendig, um eine Prise Zucker zu gewinnen. Mit den ersten europaeischen Stoerenfrieden idyllischer Dorfgemeinschaften kamen dann auch Werkzeuge zur Effizienssteigerung nach Nordamerika. In Eisenkesseln ueber dem Feuer gewann man Sirup und Zucker sehr viel schneller. Nur gab es jetzt Konkurrenten in dieser Branche, denn der Sirup wurde schnell ein Verkaufsschlager in Europa. So entstanden die Farmen und regelrecht industrialisierten Ahornernten.

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Und das kann man auch heute noch beobachten. Der Saft aus dem Ahornbaum wird angezapft und direkt ueber einen Schlauch quer durch den Wald abgepumpt. Im Pumpenhaus befinden sich dann die Kochtanks und Filterstufen und das Endprodukt wird im angrenzenden Laedchen dem Konsumenten gleich abgefuellt und angedreht. Und ein findiger Pfandkuchenbaecker hat sich auch gleich dazu gesellt, um Crepe mit Ahornsirup frisch, ja quasi direkt am Busen der Natur zu vereinen. Und diese Spezialitaet ist wirklich einmalig und unglaublich lecker!

Du hast die Haare schoen

Es ist nicht schwer als Mann, einen Friseur seines Vertrauens zu finden. Viele Leserinnen wuerden dem sicher zustimmen und auch im maennlichen Lager wenig Widerspruch hoeren. Allerdings ist es durchaus nicht ganz so einfach, DEN Friseur zu finden.

Als Heranwachsender in der Loewenstadt war Melitta Pflicht. Was als Kaffee einfach nur bescheiden schmeckt, weckt als Frisiersalon mit ermunternden Kopfmassagen huebscher AngestelltInnen die Lebensgeister junger Herren. Doch zieht es den ins Alter kommenden und nachdenklich werdenden Mann doch eher zum gleichgeschlechtlichen Barbier, geht einen doch das aufgezwungene Gespraech der damals noch Frisoesen allmaehlich auf den Geist.

Mein letzter und treuer Friseur des Vertrauens war tuerkisch russischen oder russisch tuerkischen Ursprungs, so dass auch noch Sprachbarrieren die Kommunikation auf ein Minimum beschraenkten. ‘Nummer drei an den Seiten und im Nacken, hinten gerade und oben nicht so viel’, ich musste es nur einmal sagen bevor es zum ‘wie immer’ wurde. Und genau DAS wird einem zum Verhaengnis, wenn mal die Vertretung da ist. Verdammt, welcher Aufsatz war das? ‘Ich schneiden, du sagen stop’ war die Vereinbarung, die mir Olga befiehlt. Beunruhigt aber starr verharre ich im Sitz und lasse auch die raue Art, meinen Kopf zu greifen und die Drahtbuersten tief in die Kopfhgaut eindringen zu lassen, unbeweglich ueber mich ergehen. Dem Haar habe ich mit spaetpubertaeren - aber geilen - Blondierversuchen eh schon zu viel zugemutet, da kann eine verbissene Veteranin der Kommunistischen Partei der Sowjetunion auch nicht mehr viel zerstoeren.

Und immer wieder bin ich beeindruckt vom Bluehen des Geschaeftes, da ich jedes Mal sofort dran komme und auch sonst selten kontahierende KundInnen zu Gesicht bekomme. Kurzum: ein gut gelaunter und selbiges gehender Laden mit freundlichem Besitzer gleich um die Ecke.

Nun bin ich in einer neuen Grossstadt und habe nach Fehlversuchen bei vietnamesischer Massenabfertigung DEN Friseur in meinem Kiez gefunden. Tim ist aelter als ich und – wie der Name schon sagt – Chinese. Auch hier muss ich nicht lange auf den Termin warten: first in, first out. Endlich in der Fessel des Frisierkittels schweift mein Blick über den Frisiertisch. Was ich sehe, stellt die Erfahrungen mit meinem russischen Tuerken in den Schatten. Die verschiedenen Haarprachten draengeln sich dem Auge auf: ueberall liegen Reste herum. In der Mitte die Midi-Anlage, die verbissen ‚Rainy Days‘ spielt. Ein Song von Gianna Naninni wird sogar dreimal wiederholt ob der Begeisterung Tims. Im Spiegel betrachte ich mir Tim genauer und mir faellt auf, dass ich nie einen Chinesen mit Schnauzer und Kotletten gesehen hatte. Und schon setzt Tim Aufsatz Nummer drei an, der sich – entgegen aller Erwartungen – sehr tief in mein Fleisch bohrt. Wie sich spaeter herausstellt, sind die hier verwendeten Geraete seit dem zweiten Weltkrieg im Einsatz. Der Schmerz der Maschinen erinnert mich an Olga und uneinige Gefuehle werden mit Gaensehaut und Schauern quittiert.

Der Stapel Musikkassetten reiht sich ein, in ein ziemlich verschmutztes Dasein noch betriebener Frisierelemente und laengst vergessener Plastikstatuen von Buddha, Barby oder B-Hoernchen.

Neben all dem Spott besteht die marktwirtliche Sichtweise: selbst eine halbe Stunde nach Ladenschluss werde ich zuvorkommend bedient und beschnitten. Selbst, wenn ich mich um Tim’s Freizeit Sorge, ist er stets fuer mich und die anderen zwei Kunden da! Und genau DAS ist es, was DEN Friseur als Freund eines Mannes ausmacht!

In the Navy

Alljaehrlich findet in Toronto die so genannte Sports Mens Show, eine Messe fuer Jaeger und Sammler,  statt. Geweckt von der Gier, kanadische Freizeitmoeglichkeiten zu entdecken und womoeglich preiswerte dafuer notwendige Gerate zu erstehen, mache ich mich also an einem Samstag gut gelaunt auf den Weg in die Innenstadt. Mein genaues Ziel: das Toronto Convention Center. Schon der Eingang verraet, dass es eine sehr grosse Show werden muss: ueber drei Hallen erstreckt sich die Messe. Die neunzehn Dollar Eintritt sollten dann auch nicht vergeblich sein. Mit der Rolltreppe vom Einlass in der ersten Halle angekommen, begruessen mich zwei aeltere, vermutlich maennliche Gestalten in der Aufmachung von Faehnlein Fieselschweif, also die oertlichen Scouts. Uebertrieben freundlich, aber was solls, man muss sich ja nicht festquatschen.

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In der Halle gefuellt mit Jagdutensilien gefriert mein Blick schon an den ersten Staenden. „Taktische Importe“ lautet die Ueberschrift der ersten gezeigten Artikel. Und was ist dabei zu sehen? Waffen. Aus Deutschland. Heckler und Koch, juengst mit dem G36 als heissgluehende Ausstattung der eigenen Truppen in Verruf geraten, praesentiert hier im Ausland seine neuesten Modelle. Verknuepft mit Carl Zeiss Jena Objektiven propagiert man hier die moerderische Praesision. Aber auch ordentliche Shotguns und sogar Maschiengewehre werden hier nicht nur gezeigt sondern in einer Art Streichelzoo dem potentiellen Bediener in die Hand gelegt. So kann man fuehlen, wie das Geschoss denn auf der Jagd so in der Hand liegt. Mir bleibt der Sinn verborgen, die Muehe des Zubereitens Maschinengewehr-erlegten Wildes in Kauf zu nehmen. Vielleicht geht es hier aber nur um den Sport an sich.

Zur gezeigten Praesision gibt es die GSG-9 Ausruestung: Schuhe, schusssichere Westen… eben alles, was man auf einer Jagd so braucht. Lustig sind auch die Troeten und Pfeiffen im Hintergrund. Nein, kein Themenwechsel auf Vera am Mittag oder ein 96-Spiel… Ich rede von ECHTEN Troeten und Pfeiffen, die mit ihren Geraeuschen Enten immitieren. Und dabei gibt es tatsaechlich fuer jede Vogel- und Entenart eine besondere Troete. Oder Pfeiffe. Instrument halt. So ein Jaeger muss eine ganze Karre mitnehmen, um fuer jeden Vogel des Biotops gewappnet zu sein. So ist also die ganze Halle gefuellt von Vogelgezwitscher und Enten-Gequake, waehrend man sich die neuesten Heckler und Koch Waffen zeigen lassen kann. Verschiedene Sicherheitsunternehmen haben darueber hinaus ihre eigene Ausstattung zur persoenlichen Sicherheit praesentiert.

Kroenung der ganzen militanten Parade sind allerdings die echten Cowboys. Diese Retro-Kasachen mitlleren Alters gekleidet wie vier Faeuste fuer ein Halleluja, machen mir also klipp und klar, dass das mit dem Erwachsensein eh nur eine Phase waere und das eigentlich Spannende im Leben doch das kinderliche Cowboy-und-Indianer-Spiel ist. „Komm hol das Lasso raus“ faehrt mir eben noch gruselig ueber die schon aufgerichteten Nackenhaare als der Sheriff mir auch schon seine Karte in die Hand drueckt. Diese Realitaetsversager treffen sich also regelmaessig irgendwo in der Butnik, um mit schlecht geoelten Colts und im made-in-China Cowboy-Look in Saloon-Kulissen die vermutlich nicht einmal echten Whiskeyflaschen vom Tresen zu fegen. Herzlichen Glueckwunsch…

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Ich fluechte mich in die naechste Halle, wo es dann auch um die verschiedenen kanadischen Naturreservate geht. Hier werden vom chinesisch faunistischen Einwanderer bedrohte Tier- und Pflanzenarten vorgestellt, sowie die Diversitaet und Schoenheit kanadischer Natur gezeigt. Einzelne Parks locken mit Ferien-Angeboten, und genau diese Informationen hatte ich mir von der Messe erhofft. Zwischendrin stellen Falknereien ihre Tiere und Kuenste dar. Weiterhin interessieren mich die verschiednenen Kanuhersteller, die sich ebenfalls praesentieren und auch gleich hier verkaufen. Vermeintliche Schnaeppchen zeigen aber nur wenig Haut, lediglich der Verzicht auf die Mehrwehrsteuer bildet reduzierte Preise.

Kurz danach wird es wieder militaristisch, hat doch die kanadische Armee gleich mal einen kompletten Abenteuerpark in der Halle errichtet. Nun habe ich ja von der kanadischen Armee schon viel gehoert… Was will man auch von einem Land voller Deserteure erwarten? Das kann man so Ernst nehmen wie den Volkssturm in Westberlin. Im Widerspruch dazu mischt Kanada in wirklich jedem Krieg mit. Was die Boys hier zur Schau stellen, laesst keinen Soldatenwunsch offen. Die Raketenwerfer duerfen geschwungen werden, saemtliche verfuegbare Waffenarten werden praesentiert. Neben afghanischen Minenwerfern werden Frontingenieure gefeiert und beworben. Fuer die Kiddis ist ein Hochseilparcour mit verschiedenen Hindernissen aufgebaut. Und in den verschiedenen Panzern am MG steht ein verrueckter Schuetze der mit uebertriebenen Geschuetzlauten seinem Fanatismus oder einfach nur dem Schaden uebermaessigen Videospiel-Konsums froent.

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Zeit zu gehen. Und so nehme ich die Gangway zur ersten Halle, um dem Anglerbedarf an den Haken zu gehen. Ich lasse mich bezueglich langlebiger Ruten beraten, aber auch hier stellt sich kein Schnaeppchen ein. Etwas misstrauisch blicke ich Leute auf der Buehne an, die versuchen, die neuen Angeln in Wurfeigenschaften in einem kuenstlich aufgebauten Gewaesser auszuprobieren.  Da mir das Ganze zu gefaehrlich wird und auch unansehnlich, wie manch einer seine Rute schwingt, geh ich schnell weiter. Es folgen noch grosse Flaechen mit Motorbooten, Kraftfahrzeugen, vor allem aber gelaendefaehige Amphibienfahrzeuge. Diese kosten mal locker so viel wie ein Einfamilienhaus, sehen nicht sehr bequem aus, sind aber vermutlich in der kanadischen  Wildnis unerlaesslich. Und beim Anblick dieser Gefaehrte bekomme ich wieder sehr viel Lust auf dieses Land und all seine zu entfesselnden Abenteuer….

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Hier im Grossstadtrevier

Jemensch wie ich kann es kaum laenger vermeiden, Bekanntschaft mit dem Freund und Helfer zu machen. Und zwar mit direktem Grund und nicht wie woechentlich am Flughafen bei routinierten Kontrollen. Wobei eine dabei doch erwaehnenswert ist, zumal es sich um eine Verkehrskontrolle direkt in meiner Nachbarschaft handelt: Geschickt haben die Cops sich direkt unter einer Bruecke postiert, so dass man sie erst in letzter Sekunde erfassen, also rein visuell erfassen, kann. Sichtlich aufgeregt ob meiner ersten nordamerikanischen Begegnung mit Ordnungshuetern im Verkehrswesen kurbelt der kleine Elektromotor auf meinen Tastendruck die Scheibe des – hier Mini- Vans herunter.

Freundlich begruesst mich der Cop und fragt gleich mal nach Befinden sowie dem Aufnahmeort der motorisierten Fahrt. Wahrheitsgemaess winke ich ab und zeige auf den benachbarten Supermarkt um den getaetigten Einkauf als zweckdienlichen Grund der Reise anzugeben. Dabei kommt mir sein Gesicht immer naeher und er fluestert nun fast in meine nicht wenig angespannte Hoermuschel, ob ich denn irgendetwas getrunken oder geraucht haette. Zunaechst verwundert, dann aber bestimmt hauche ich ein selbstverstaendliches Nein zurueck, habe ich doch den naeheren Zweck fuer mich schon erschlossen. Alkoholtests beginnen und enden also im gluecklichen Verlauf hierzulande mit dem lediglichen Anhauchen oder -sprechen des donierten Beamten. Das war witzig und ich ueberlege, gleich wieder zu wenden, um den Gegenverkehr-Kollegen ebenfalls so nah spueren zu koennen. Aber die Situation hat mich zu durstig gemacht. Und das dreizehn Dollar six pack sollte ja auch nicht zu lange im warmen Gefaehrt seine Reife vertroedeln.

Wenn vielleicht auch schoen, so war diese Situation dennoch unspektulaer und ich komme damit direkt zu den Gefahren einer Metropole. Parken. Waehrend ich aus Berlin gelernt hatte, unbeschwert in zweiter oder gar dritter Reihe zu parken, ist das Falschparken in Toronto eine der Haupteinnahmequelle des Stadtgouverneurs. Wobei ich Falschparken, gerade als Betroffener, als irrleitenden Begriff sehe, und den Vorgang eher Fehlinterpretation des viel zu maechtigen Schilderwaldes nennen wuerde. Inzwischen habe ich schon ueber 500 Dollar an diese Stadt spenden muessen, und hatte mich eigentlich fuer pfiffig gehalten. Schnell hatte ich gelernt, dass es ueberhaupt gar keinen Platz gibt, wo man das Vehikel ungestoert und ungeschollten fuer zehn Minuten mal parken kann. Es gibt Horden beschaeftigter parking officers, die die Stadt systematisch im Kleinraster und kurzen Zeitabschnitten durchforsten. Zudem gilt es zu beachten, dass man ein Parkticket haben muss, was wiederum zu auf anderen Schildern erklaerten Zeiten nicht gilt, denn dann ist Parkverbot. Laenger als bestimmte Zeiten geht auch nicht (trotz Tickets) und Samstags ist alles anders, Sonntag vielleicht auch und im Winter gilt das Ganze schon gar nicht mehr, steht man auf einer so genannten snow route. Zu allem Ueberfluss muss man dann noch beachten, dass im Vorgarten kein Hydrant versteckt ist, da dieser 150m drumherum zugaenglich sein muss. Ich habe also inzwischen acht verschiedene Tickets mit unterschiedlichen Verstoessen und Gruenden. Langsam muesste ich alle kennen. Die Ironie dabei ist noch, dass ich eigentlich auch ein Anwohnerticket teuer gekauft habe, was aber eben nicht immer gilt. Der geneigte Leser kann vielleicht schon erahnen, wie eine Parkprozedur ablaeuft. Dennoch will ich einen typischen Fall hier illustrieren: Schon einige Kilometer vor dem eigentlichen Ziel beginnt die Parkplatzsuche, die im guenstigen Fall vielleicht nach 20min abgeschlossen ist. Nun beginnt ein Fussmarsch die gesamte Strasse des Parkbereichs entlang, um alle Schilder zu analysieren und zum Schluss zu deuten. Denn ebenfalls witzig ist, dass inmitten der Strasse ein Schild stehen kann, das dann fuer den gesamten Strassenzug gilt. Nach weiteren 10min und verstohlenem Blick in die Vorgaerten, um etwaige Hydranten zu orten, ist man sich also sicher, den geeigneten Platz gefunden zu haben und macht sich auf die Suche nach dem Parkautomaten. Dieser wird mit Visakarte gefuettert und die erfolgreiche Transaktion ist inklusive Druck nach weiteren zehn Minuten spaetestens abgeschlossen. Den Schein auf das Cockpit gepappt, kanns auch schon losgehen. Und ab zur Bank, um die Ueberweisung fuer das letzte Parkticket zu taetigen…

Nun war – wie angekuendigt und sicherlich schon fiebernd erwartet – mein letzter polizeilicher Fall eher delikaterer Art. Ein routinemaessiger Arztbesuch in einem der Krankenhaeuser veranlasste mich ob perfekten timings direkt an der Hauptstrasse vor dem gigantischen Komplex zu parken. Die Zeichen schnell gedeutet, wusste ich, dass ab 4 Uhr ein Parkverbot gilt. Ich war froh, eine Luecke in der zugeparkten Hauptstrasse gefunden zu haben, zog also das Ticket und hoffte, der Besuch sei schnell erledigt. Das Krankenhaus ist uebrigens beeindruckend: wie eine Mall ist das Atrium mit viel Pflanzen, Sitzgelegenheiten und Ruhestaetten, ich sollte vielleicht eher sagen: Ausruhstaetten, bedacht. Dazu noch Drogerie, Apotheke und zahlreiche fast food und Kaffee-Ketten. Ein durchorganisierter Empfangsbereich und sehr viele Infostaende runden das Bild in diesem geschaeftigen Gebauede ab. Nichtsdestotrotz war ich natuerlich nicht um 4 raus und kam gemuetlich eine viertel Stunde nach der Zeit (des Anarchisten Puenktlichkeit..) aus dem Haupteingang geschlendert. Da traute ich meinen Augen nicht: tatsaechlich sind alle Fahrzeuge, die vor einer halben Stunde hier noch standen, weg. Eine geschaeftige dreispurige Strasse haette sich fast entwicklen koennen. Gaebe es da nicht ein Hindernis: meine Karre. Der ansehnliche Stau beginnt also in der von mir provozierten Verkehrsverengung. Und was ist das? Na toll, eine Minna steht halb schraeg hinter meinen Fahrzeug, sichert den Verkehr und auch meine regierungsfeindlich gestimmte Heckklappe, wie mehrere Sticker bekunden, und ein Officer schreibt fleissig auf seinen Block. Ich rechnete mit dem Schlimmsten und wollte mir schon unheilbare Krankheiten als mitleiderregende Ausrede andichten, als ich vor dem Fenster des Officers gestikulierend auf mich als Fahrzeughalter aufmerksam mache. Er blickt streng auf, sieht in mein bemittleidenswertes Gesicht, stoehnt auf, reisst den Zettel ab und deutet mir freundlich aber bestimmt, zu verschwinden. Mit kurzer Entschuldigung nehme ich daraufhin das erstere vom offensichtlich schon fleissigen parking officer unter den Wischer geklemmte Ticket und duese schnell ab. Ein kurzer Blick auf das komplexere und vom richtigen, strengen und sicherlich bewaffneten Cop zusaetzliche Ticket verraet mir, dass er zwar schon alles ausgefuellt hatte, aber die Strafgebuehr noch nicht. Und schon zeigt mir die Toronter Polizei ihre Guete und Freundlichkeit. Ich bin beeindruckt, lasse aber meine Aufkleber trotzdem an der Heckscheibe!

Erkenntnis des Tages: hier bleiben kleine Fische noch kleine Fische

Another day in paradise

Inzwischen bin ich wieder viele Male in das einst gelobte, nun eher global getadelte Land gereist. Und ausser dem aeussert lukrativen wenn auch irlaendische oder schottische Goldwasser verhoehnenden Whiskey-Schmuggel konnte ich den Staaten bislang keine Pluspunkte goennen. Die Kentucky Bourbon lassen sich allerdings im vitkorianischen Pyjama und entsprechendem Ambiente mit oder ohne Eisbaerfell trinken. Dem Stolz der Inseldestillen geschuldet, kaufe ich die Jims und Jacks auch stets mit einer abfaelligen Bemerkung wie „das ist nur fuer meinen Hustenreiz, fuer den Superbowl habe ich dann RICHTIGEN Whiskey aus Europa“, aber wie gesagt, sie lassen sich durchaus auch trinken.

Zurueck zu Amerika. Stets stelle ich mir auf den kurzen fuenf Stunden road trips die Frage, gehe ich zu voreingenommen an eine Beurteilung heran oder sehe ich nur, was ich sehen will oder was ist mein verdammtes Problem mit diesem Land? Schliesslich zeugt es nicht von menschlich solidarischem Verhalten, wenn man stets mit dem Gefuehl der Ueberlegenheit dieses Land betritt, befaehrt, befliegt, wie auch immer. Und schliesslich kenne ich mittlerweile ziemlich viele Amerikaner respektive Innen, um auch hier vertraute Menschlichkeit schon entdeckt zu haben. Bloed nur, dass diese Bekanntschaften einem das Bild von dem Amerika, das man bereits aus europaeischer Sicht im Kopf hat, insofern bestaetigen, als dass sie genau diese Punkte: Unbildung, und eigentlich Allem daraus resultierenden, hervorheben. Und schon treibt mich der Hunger in die naechste Ausfahrt und eines der naechsten Restaurants, die hier fast ausschliesslich aus Ketten bestehen. Weil ses koennen, entschliesse ich mich natuerlich fuer den Buerger, und schon wieder sehe ich das, was mich an die Klischees ueber Amis eigentlich aergert: uebergewichtige Menschen in Jogginghosen bereiten und servieren mir das Mahl. Und das ist bei Weitem kein Einzelfall mehr. Waehrend ich mir den Burger schmecken lasse, bemittleide ich auch die anderen Speisenenden, die Sport fuer eine gelungene Fernsehdarbietung halten, und denke auch an meinen ueberfaelligen workout, um nicht diesem regenerativen Zivilisationstrend zu verfallen. Was eine Ansammlung ungenutzter und zu Fett gewordener Energie. Und das ist hier durchaus keine Beleidigung eines Schmaechtigen an den Rest der Welt, sondern einfach nur eine Darstellung der erlebten Begegnungen.

Um das Ganze in seiner Konsequenz weiter zu fuehren: alles ist hier gross, so auch die Klos. Die geneigte Leserin mag sich nun abwenden, da ich Situationen beschreibe, die aus Alltaeglichkeit den Reiz nehmen. Ich sitze also auf dem Pott einer viel zu gross dimensionierten Kabine und starre auf Dinge, derer ich in einer solchen Situation nicht wahrzunehmen gedenke. Ein Spalt zwischen Tuer und Klowand. Kein Spalt, durch den man mit Anstrengung von innen heraus das Geschehen aussen beobachten koennte, nein ein Spalt, der fuer einen Ingenieur europaeischer Automobilisten atemberaubend ist. Ein Dachs koennte sich dazwischen klemmen und es bedarf eigentlich keiner Schliessung, da man von aussen locker mal sehen kann, ob und wer wie gerade in der Kabine sitzt. Zusaetzlich zur Nervositaet ob des Publikums ausserhalb kommt noch die Perfomance des Toilettenpapiers innerhalb. Auf oeffentlichen Toiletten ist es klar, dass – ich nenne sie mal – Grossrollen den wirtschaftlichen Ton angeben. Natuerlich spielt die Dicke des Papiers an sich die Rolle fuer den Erfolg des Geschaeftsinhabers. Wie dem auch sei. Kennt ihr das Gefuehl des Reissens von Papier, wenn die Traegheit der Rolle ploetzlich kraeftiger ist als die Zugfestigkeit des Papiers? Genau: Ratsch. Nach ca. Fuenf Millimetern. Und ratsch nach erneuten fuenf. Dass mit den Papierschnipseln kein Oskar in Hygiene zu holen ist, wird einem schnell klar. Und ca. 600 Ratsches und einer halben Stunde spaeter kann man dann frohgemut die Kabine freigeben…

Nunja. Mein letzter Besuch galt der Detroit Auto-Show. Von Einheimischen geleitet, sollte ich am Casino parken. Da Detroit nicht die Stadt ist, in der man verloren gehen moechte, befolge ich den Rat und begebe mich zum vereinbarten Treffpunkt. Dieser ist tatsaechlich IM Casino. Und dort stehen, wie man es aus Filmen kennt, goldschmuckbehangene Renterninnen aller Hautfarben vor einarmigen Banditen. Und jede von ihnen erinnert mich an eine der Golden Girls. Rauch inbegriffen, denn das Casino ist der einzige wirtschaftliche Ort in Detroit, wo noch geraucht werden darf. Von dort aus geht es weiter ueber die Stadtbahn zum Messegelaende. Diese erinnert mich an die simpsonsche Monorail, da sie weit ueber der Stadt in ingenieuriger Kunst durchaus verspielt spektakulaer hinweggleitet. Und so sehe ich Detroit: Wolkenkratzer aus den Dreizigern, die zum Teil leer stehen und verfallen. Wolkenkratzer aus den Siebzigern, die etwas besser dran sind, aber immer wieder Zeugnisse kapitalistisch geleugneten Wohlstands und rebellischer Subkulturen, die sich in Graffiti an den architektonischen Wundern vergingen.

Die Auto Show selbst praesentiert ein Bild amerikanischer Gelassenheit mit europaeischen Umweltsparzwang. In den gezeigten Pickup-Trucks gibt es extra Faecher fuer – leider ebenfalls praesentierten - Shotguns. Die Rahmen sind so versteift, dass Bombenkrater im Autobahntempo damit befahren werden koennen. Und dennoch zeigt jede Automarke eine elektrisch generierte Loesung fuer unsere strahlende Zukunft. Leicht bekleidete Maedels mit unzumutbaren Arbeitsbedingungen zieren das Event. Interessant ist hierbei die zurueckhaltende Show europaeischer Grossautmobilisten gegenueber den japanischen oder amerikanischen Grossmagnaten.

Nun irre ich fuer einen weiteren workshop erneut in Detroit herum und versuche, dem Klischee ueber Amerika zu entgehen. Dabei kommt mir aber ein anderer Gedanke: muss man Amerika denn wirklich so sehen? Schliesslich bin doch ab und zu gern hier, geniesse die Burger, denn das koennen se, die Kritik der Leute, die ich hier treffe und vor allem die Erfahrung, die ich sammle. So bloed ist das hier alles gar nicht, wenn man sich auf die Dinge konzentriert, die einem von diesem Land wichtig sind. Und schon komme ich wieder zum Whiskey und dass ich euch eigen tlich mal ueber die kanadische Destilleriekunst erzaehlen muss. Doch das ist ein anderes und eher kanadisches Kapitel, das demnach spaeter und aus meiner neuen Heimat geschrieben wird.

Erkenntnis des Tages: auf die Bildung kommt es an!

These shoes are made for walking

Bislang verlaeuft der Winter harmloser als erwartet. Erst nach Weihnachten erreicht die Kaelte Toronto, die Temperaturen schwanken zwischen Null und -17 Grad Celsius und der Schnee sorgt nur kurz fuer Aufregung. Etwas noerdlich hingegen liegt die weisse Pracht ueber Feldnern, Waeldern sowie an der Lakeshore der Georgian Bay. Grund genug, einen Ausflug zu den Blue Mountains zu uebernehmen. Dieser Gebirgszug in der Naehe von Collingwood gehoert zu den beliebtesten Touristengebieten um Toronto. Vor allem dem Wintersport wird hier gefroent, was sowohl Touristenindustrie als auch -fallen auf den Plan der gemeinschaftlichen Partizipierung ruft. Nach nur drei Stunden erreichen wir die Kueste des Huron und sehen uns von Collingwood aus nach ein wenig Natur um. Mit gesundem Spott vorbei an den zahlreich ueberfuellten Skihaengen zieht es uns zu einem Sportzentrum, das Langlaufloipen sowie Schneeschuhwanderwege bietet. Und letzteres wollen, nein muessen wir ausprobieren. Also schnallen wir uns die kunstoffbespannten Aluminiumrahmen in Form eines Bigfoot-Fussabdruckes an die Stiefel und schon gehts los. Die Fortbewegung unterscheidet sich vom Gehen oder Laufen nicht grundsaetzlich, nur der Kraftaufwand im Schnee verringert sich. Schon nach dem ersten Kilometer bricht die Freude aus: was fuer ein Spass. Und so durchkreuzen wir einen der Blue Mountain Waelder und sind tatsaechlich nahezu allein. Die hoechste Haengebruecke Ontarios bietet uns einen tollen Ausblick ueber die Bucht. Um die Performance der fuer uns neu entdeckten Sportart ausgiebig zu testen, waehlen wir an einer Kreuzung den Iron Man Trail. Hier bekommen wir schnell mit, welch guten Halt die Schuhe an vereisten Haengen bieten. Ein unheimlicher Spass. Zwischen Schneefall und Sonnenschein wandern wir so knapp 4 Kilometer und geniessen die Ruhe, da wir im Iron Man Gebiet nun wirklich allein sind. Bei der hohen Beanspruchung schneidet sich allerdings die Bindung in das zaehe Leder kanadischer Springerstiefel und uebertraegt den Druck gleich schmerzhaft auf meinen Fuss. Notduerftig federe ich die Stellen mit Baumrinde ab und so stelle ich zum ersten Mal die Art der Bindung in Frage. Das sollten wir uns beim naechsten Mal oder gar dem Erwerb der Schuhe genauer ansehen, vermutlich haben die Verleiher eher die periswerteren und einfacheren Varianten. Kann man doch fuer ein Paar Schneeschuhe bis zu 600 Dollar ausgeben… Zurueck am Ausgangspunkt ruhen wir uns kurz an der Feuerstelle vor der Huette aus und geniessen den nahenden Sonnenuntergang. Das ist die erste Erfahrung mit kanadischen Wintersportmoeglichkeiten, die wohlwollend in unser Repertoire der Freizeitgestaltung aufgenommen wird.

Erkenntnis des Tages: Auf die Bindung kommt es an!

Slideshow zum Bericht auf der picture site

Ca plane pour moi

Es ist mal wieder an der Zeit, die Vorzuege dieses Landes zu erkunden und vor allem: euch darzubieten. Bei dem staendigen Gemecker ueber Dinge, die sich zu Europa unterscheiden, bekommt ihr sonst den Eindruck einer uebergeordnet negativen Bewertung des amerikanischen Kontinents. Also Sachen geschnappt und ab nach Montreal. Ein wenig Vorbereitung ist natuerlich noetig fuer den sechs-stuendigen Road-Trip. Da der Winter Einzug erhalten hat, wird der Racoon-Hunter mit allen notwendigen Massnahmen aufgeruestet, die ein zwoelfstuendiges Ueberleben auf einem zugeschneiten Highway zumindest in Aussicht stellen. Bei einer aehnlichen Situation sind tatsaechlich in unserem Gebiet einst Menschen ums Leben gekommen, da die Eingeschneiten erst nach zwei Tagen geborgen werden konnten… Die Schneeschaufel liegt eh schon im Fahrzeug und die Schokolade fuer Notfaelle wird durch vitaminreiche Nahrung ergaenzt. 36 Stunden Hoerspielmaterial sorgt fuer psychologischen Rueckhalt. Also auf in die Provinz Quebec und damit in den franzoesischen Teil Kanadas. Die Fahrt ist unspektakulaerer als ich erwartet hatte, ein endlos langer Highway schlaengelt sich flussaufwaerts an den Ufern des Lawrence Rivers. Dabei ergeben sich fantastische Perspektiven mit der sich im Strom spiegelnden Sonne. Diese Weite ist wahnsinnig unbegreiflich. Und dabei befahren wir nur einen kleinen Teil dieses Kontinents. An der Landesgrenze zu Quebec werden die Strassen etwas schlechter und die Bezeichnungen franzoesisch, was aber die einzigen Indikatoren fuer den Staatenwechsel bleiben. Bald verdichten sich wieder die Gestalten menschlicher Behausung und wir sind in Montreal.

Zwischen modernen Wolkenkratzern stechen historisch anmutende Gebauede hervor, wie ich sie zuletzt vor einem halben Jahr auf einem anderen Kontinent gesehen hatte. Es gibt hier also doch Geschichte. Eingecheckt im zentral gelegenen Hotel gehts gleich auf Stadterkundung. Als Geek wollte ich dieses Mal ganz clever sein und statt des ueblichen Reisefuehrers oder einfach einer Karte, gab es das Montreal-App fuer nur $5.99. Fuer den Kurztrip kann man sich so die zehn wichtigsten Dinge zeigen lassen und in augmented reality wird Standort und Entfernung im Display des aktuellen Kameramotives dargestellt. Wahnsinnig moderne Technik, man sieht also, was man vor der Linse hat und ein Pfeil zeigt, wo sich der naechste point of interest befindet. Hingeschwaengt und gleich erkannt oder die Entfernung abgelesen. Das Ganze klappt genau einmal, dann ist der Akku leer und meine Haende sind eingefroren. Was ich bei diesem Hightech-Wahn natuerlich nicht bedacht hatte: hier herrschen -17 Grad Celsius, was mit dem Wind einer angesagten gefuehlten Temperatur von knapp -25 Grad gleich kommt. Da ist nicht viel mit Handy im Freien. Noch dazu, wenn man die Handschuhe ausziehen muss, um auf dem Display im Takt des zitternden Koerpers rumzuhackern. Es gibt ja schon spezielle Handschuhe fuer smartphonedisplays, aber meine derzeitige Ausruestung ist wohl noch unzureichend. Zudem wollen die Elektronen in den kleinen Schaltkreischen aus den Werkstaetten Chinas bei den Temperaturen auch nicht ihre volle Geschwindigkeit entfalten. So wird also erstmal durch die Stadt getapert und das Flair genossen. Ein Faltplan aus dem Hotel hatte ich als Backup dann doch mtgenommen, und so erfahren wir, dass sich die Altstadt Montreals an den Ufern eines Arms des Lawrence Rivers ausstreckt. Alter Speicher, Notre Dame sowie Rathaus und erste buergerliche Haeuser haben schon den Charme europaischer Stadte des 17. Jahrhunderts. Kleine Gassen, die mal nicht rechteckig angelegt sind und durchaus auch Kurven aufweisen, ergaenzen dieses Bild. Die Sehenswuerdigkeiten des alten Montreals sind aber auch schnell abgehaktm, so dass wir nun die kanadische Seite der Stadt besichtigen koennen. An die Wetterbedingungen angepasst haben die Grossstadte unterirdische Systeme entwickelt, die Einwohnern und Touristen erlauben, alle wichtigen Punkte der Stadt ohne einen Kontakt zur Oberwelt zu erreichen. Eingebettet im Metrosystem gibt es also auch hier die subterrans. Wagemutig betreten wir einen der der Zugaenge und tauchen in ein geschaeftiges Tunnelsystem ein. Nur die Idee einer Richtung und der Name des Ziels reicht aber hier nicht aus, da zu jedem Tunneleingang immer nur der naechste erreichbare Abschnitt ausgeschildert ist. Irgendwann endet dann auch ein Tunnel und wir realisieren, dass es ploetzlich oben weitergeht. Und selbst dabei sind keine Grenzen gesetzt, so dass man in Roehren aus Glas und Beton ploetzlich die zu Eis erstarrte Stadt unter sich hat. Die Gaenge selbst sind karg, kalt und leer. Hier vermissen wir sogar mal Werbeplakate um nicht in die Demut trister Betonwaende, den man schon fast aus seiner Vergangenheit verdraengt hatte, zurueckzufallen. Nur im inneren Stadtkern gibt es Geschaefte, die diese unterirdische Welt beleben. Kurzum: begeistert sind wir nicht, aber wenigstens bewahrt  das Maeuselabyrinth uns einige Stunden vor der Eiszeit.

Am Abend suchen wir erneut die Altstadt auf und kehren durchgefroren in eine polnische Kneipe ein. Ein junger Student verwoehnt mit Klaengen am Klavier und warme Suppe zu kuehlem Bier in sehr gemuetlicher Atmosphaere laesst diesen Abend besonders romantisch beginnen. Erwartungsvoll suche ich fuer das Dinner einen abgelegenen Franzosen aus, in den Hinterhoefen historischer Kaibebauung. Leider bemerken wir zu spaet, dass dieses Lokal zwar seit knapp 1800 betrieben aber offensichtlich seitdem kaum Sanierungsmassnahmen genossen hat, so dass der Kamin nur unzureichend die staendig neue durch die Ritzen stroemende kalte Luft erwaermen kann. Es zieht wie Hechtsuppe. Dem chinesischen Oberkellner komme ich dann auch noch mit der Auswahl des Weines zuvor, was ihn offensichtlich irritiert. Wenigstens war der Fisch dann teuer, warm blieb er nicht lang. Aber auch das ist Montreal: unvergessliche Abenteuer europaeischen Charmes in kanadischer Kaelte.

Am naechsten Tag erkunden wir die Geschichte im historischen Museum und lernen, dass beheimatete Irokesen als einziger Indianerstamm die anlandenen Franzosen schon immer doof fanden und ihnen das auch regelmaessig deutlich machten. Erst als ein diplomatisches Siedleroberhaupt hier in Montreal Frieden mit allen bis dahin bekannten Indianerstaemmen Amerikas schloss, konnte die eigentliche Besiedlung beginnen. Und erst dann schnellte die Gendarmerie bis zur Muendung des Mississippi vor und besiedelte die bekannten Gebiete.

Wir befahren noch den Mont Royal, der einen wunderschoenen Blick ueber die Stadt und die Ufer des St. Lawrence bietet und beginnen dann den Heimweg.

Erkenntnis des Tages: Insgesamt ist Montreal allemal eine Reise wert und stillt klammheimliche Sehnsuechte nach Geschichte und europaeisch anhauchende Architektur.

Slideshow zum Bericht auf der blog picture Seite.

Last Christmas

Wenn ein Land beschliesst, aus dem Kyoto-Protokoll auszutreten, nimmt man das nur beilaeufig wahr. Soll dieses Land aber die neue Heimat sein, so ist dies genau der richtige Anlass, grund meiner Erfahrungen, dieses Land mal wieder naeher zu beleuchten. Und genau damit faengt es an: Leuchtmittel. Als alter Umweltfuchs, bevorzuge ich natuerlich die schwermetallbelasteten Energielampen anstatt energiefressende Gluehrohren zu installieren. Dachte unser Vermieter auch und hat die ca. sieben Lampen pro viktorianischen Kronleuchter schon im Voraus gestellt. Natuerlich die billige Sorte. Und so wird das sonst historisch anmutende dunkle Gemaeuer mit gleissend grellem Industrielicht geflutet. Sobald die Daemmerung einsetzt, huschen deshalb auch die Nachbarn nur mit Sonnenbrille an unseren Fenstern vorbei, um nicht zu erblinden. Das geht so natuerlich nicht. Und so wurden die Frohmut vertstreuenden warmen Lichtspender aus dem Energiesparsektor erworben. Was dabei dem Umweltfuchs auffaellt: warum sind die derzeit boesen und verschwenderischen Gluehbirnen in recycleten Pappkartons, die umweltschonenden Energiesparlampen aber in – zumindest in Kanada nicht  - recyclefaehiger Plaste-Vakuumhuelle verpackt? Natuerlich auch so, dass nur schweres Geraet die Packung oeffnen kann, und sich der Protagonist dabei noch schwere Schnittverletzungen zuzieht. Jaja, die Widersprueche des Lebens.

Trotz aller Gefahren und Widersprueche werden die warmen und sparsamen Lampen erfolgreich installiert. Zumindest fuers Gewissen, und das schlechte davon ist nicht weit verbreitet. So muss hier der Vermieter fuer den Strom zahlen, was nicht gerade zum Sparen anregt. Weshalb die kleineren Versuche der Regierung, die Umwelt zu retten, wie das kommende Gluehbirnenverbot, kaum ein generelles Energiesparbewusstsein hervorufen.

Und schon sind wir bei Weihnachten: die Jahreszeit, zu der es Flughaefen schwer haben, die Einflugschneisen auffaelliger zu gestalten als konkurierende Vorgaerten im Lichterwahn. Auch hier ist das ein oder andere Mal die Sonnenbrille zum persoenlichen Schutz notwendig. Einige Vorgaerten werden durch den entstehenden Kabelsalat zum Labyrinth fuer Besucher. Die Zeugen Jehovas beklagen auch schon vermisste Missionare. Und so erschliesst sich mir die Angewohnheit von Zeitungsjungen oder Milchmann, die Produkte einfach nur auf die Terasse zu schleudern. Schoen sind auch diese Lichterketten, die die Dimensionen des Eigenheimes betonen, weil sie akribisch genau die Regenrinne nachziehen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das statt Dekoration der Identifizierung als Helikopterlandeplatz zur Luftrettung im Schneechaos torontianischer Winter fungiert. Zumal herunterhaengende LEDs ja auch noch regelmaessig blinken. Mit ein wenig Phantasie glaube ich dann aber doch eher an die Lichtsimulation von Eiszapfen, die hier ja offensichtlich rar sein muessen. Was ich zum ersten Mal gesehen habe, sind christliche Weihnachtsdarstellungen als Huepfburg. Naja, zumindest als aufblasbare Version. Das Krippenspiel aus Polyvinylchlorid. Das ist echt eine herbe Enttaeuschung gegenueber den einst sorgsam geschnitzten Versionen und ein Schlag ins Gesicht thueringischer Handwerkskunst.

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Die wiederum gibt es auf dem Weihnachtsmarkt zu sehen. Ontario ist bekannt fuer seine strikten Alkoholgesetze, hier loesen sie sich etwas auf. So gibt es den Gluehwein schon fuer knapp 7 Dollar, dazu ein Plaetzchen auf ledernden Sofas am waermenden Feuer. Da kommt schon mal die Weihnachtsstimmung auf. Am Stollen-Stand trifft sich die deutsche Gemeinde und nur eine Bude weiter, verhoekern die Oranjes teuren Kaese aus Holland. Die Bratwurst probiere ich lieber nicht, um nicht gleich den naechsten Schlag nach Thueringen auszuteilen.

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Ein weit verbreiteter Brauch ist auch das oeffentliche Auftreten von Santa Claus. Wie in billigen Teeanager-Komoedien hat jeder Platz und jede Mall einen zentralen Thron aufgebaut, bestenfalls mit Rentieren und Kutsche, und eine lange Schlange aus aufgeregten Kindern und verzweifelten Muettern wartet darauf, auf dem Schoss vom Claus zu sitzen und das dabei gemachte Foto fuer fuenf Dollar zu erstehen. Und anhand der ueberfuellten Innenstadte und gerade Spielzeuglaeden erkennt man allzu leicht die hohe Konsumorientierung zu diesem Fest.

Was mit dem – bei uns so beliebten und spaetestens seit Krise gekuerztem – Weihnachtsgeld einhergeht. So bekommt man nicht etwa rein finanziellen Ausgleich fuer die ueberdurchschnittlich erbrachte Leistung des harten Arbeitsjahres. Nein, es gibt gleich Gutscheine, damit die Bosse anderer Firmen auch davon profitieren. Sei es Wal-Mart oder bestenfalls noch der nuetzliche Baumarkt. Natuerlich eine nette Geste, aber eben anders als man kennt.

Mit dem heimatlichen Christstollen, etwas kitschigem Weihnachtsschmuck, aber gemuetlichen und duftenden Tannennadeln, etwas selbst gemachten Gluehwein, dessen Grundlage der billigste italienische Fusel fuer 10 Dollar bildet, pilgern wir zum zentralen Punkt unserer viktorianischen Huette: dem Kamin. Obenauf der neufundlaendische Rum fuer haertere Zeiten und am Sims die baumelnden Socken fuer das kommende Weihnachtsfest. Es gibt hier viel, das zum europaeischen Fest fehlt, so habe ich noch kein einziges Mal Last Christmas gehoert… Es wird hier laenger und haerter gearbeitet. Aber ich habe es dieses Jahr nahezu zum ersten Mal in meinem Leben geschafft: ich bin auf Weihnachten vorbereitet und in der Stimmung! Schoenen vierten Advent da draussen!

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Friday I’m in love

SUBTITLE: Auf dem Highway ist die Hoelle los

Mittlerweile tritt der Alltag in die neu gewonnene Lebenserfahrung ein. In der Woche jeden Morgen der fantastische Kampf ums Ueberleben auf den breitspurigen Highways. Erinnert mich an den alltaeglichen Krieg auf der A2, mit nur kleinen Unterschieden: erstens sind hier die Autos um einiges groesser, zweitens erkennt man die Blinkanlagen, die aus der Rueckbeleuchtung in modifizierter Frequenz aber gleicher Farbe und Leuchtintensitaet bestehen, ueberhaupt nicht. Und drittens sind die Autos hier verdammt gross. Nochmal zurueck zum Abbiegeerkennungssystem: interessant finde ich, dass, zumindest bei den Chrysler- und Dodge-Modellen, der Scheinwerfer im Taglichtmodus beim Blinken erlischt. Ueber den tieferen Sinn habe ich noch nicht nachgedacht, lediglich den Fehler in der Elektrik vergeblich gesucht. Die Blinkfrequenz ist sicherlich der Niedrigspannung einheimischer Netzversorgung angepasst – und so erscheint alles cool und relaxed. Und das ist mal ein Benefit gegenueber dem hektischen Blinken franzoesischer Kleinstvehikel. Des Weiteren telefoniert hier irgendwie jeder ohne entsprechende handsfree Installation im Wagen. Das ist sicherlich mit einer der Gruende, warum ich tatsaechlich taeglich an mindestens einem Unfall vorbeirausche. Allerdings lediglich Blechschaden, denn ich muss mal erwaehnen: die Autos sind hier verdammt gross.

Telefonieren am Steuer ist auch hier teuer und verboten. Weitaus dramatischer ist aber, dass die Versicherungspraemie direkt an die Fahrweise gekoppelt ist. So dass also auch Punkte und selbst Speeding Tickets zu einer Erhoehung des Versicherungsbeitrages fuehren. Und das nicht zu knapp. Deshalb versucht der gemeine Kanadier also so gut er kann, sich an die Regeln zu halten. Damit das auch klappt, gibt es davon nicht zu viele. So ist das Rechts-Ueberholen geradezu gewollt, geht ja auf den 16-spurigen Highways auch nicht anders. Rechts abbiegen geht immer bei rot, links nur zu bestimmten Tageszeiten, und die Gelbphasen wurden extra lang gemacht, damit auch der groesste Truck nach 1,5 Meilen Bremsweg zum Stehen kommt.

So duese ich also mit der Grossstadt im Rueckspiegel, der florierenden Wirtschaft vor der Motorhaube im hitzigen Spurwechsel ueber freie Luecken zur Arbeit. Ja, das ist schon geil. Vor allem mit den Bandit-Trucks ausserhalb der Stadt… Und selbst die Strassen weitab der Highways fuehren Spuren, die drei derselben deutscher Stadtautobahnen beinhalten. Und davon gibts dann auch noch drei. Ja, hier koennen die in Europa heiss diskutierten Supertrucks auch fahren, fuer die Autobahnen drueben sehe ich schwarz. Mit diesen Eindruecken beginnt der – wenn es gut lauft 8-, wenn es schlecht laeuft 12-Stunden-Tag. Und diesen blende ich in dieser Geschichte aus Geheimhaltungsgruenden mal aus…

Feierabend. Endlich. Hier wird der Feierabend auch seinem Namen gerecht: es ist Abend. Und deshalb umso dringender Zeit, die Arbeit hinter sich zu lassen und dem Wochenendbeginn zu froenen. Auf den breiten und unzaehligen Spuren des Highways tobt der Kampf um die wenigen Minuten, die man eher zuhause sein kann. Und das macht unglaublichen Spass. So jage ich einen Honda nach dem anderen, und dabei immer bedacht darauf, im toten Winkel der Cops zu bleiben. Auch wenn ich noch keine Erfahrung mit der highway patrol sammeln durfte, so meide ich doch lieber Begegnungen mit den lokalen Sheriffs. Ein Truck schert knapp vor mir auf meine Spur, und nimmt mir damit die Chance, den getunten Accord zu schlagen. Naja, aergere ich die Stretchlimo hinter mir und schneide ihr die Spur. Es ist eine unglaubliche Verschwendung an Bremsenergie und eine durchaus uneffiziente Fahrweise, aber beiweitem nicht so aggresiv und voellig daemlich wie manch Verhaltensweisen nordeutscher Verkehrsteilnehmer aus Staedten mit Muehlenmuseum.

Endlich zuhause. Den Hausputz schnell und musikalisch absolviert, geht es nun daran, die Vorraete zu fuellen. Schon beim Weg in den Beerstore faellt mir die ungewohnte Praesenz der Cops in meinem Viertel auf. Streifenwagen durchziehen die von Drogenabhaengigen ueberfuellten Strassen. Im Beerstore begruesst mich gleich der naechste Cop, der an diesem  Abend in schusssicherer Weste, Oberlippenbart aber freundlich dominantem Laecheln hier abgestellt wurde, um die aermsten Penner beim Umtausch ihrer Betteleinnahmen zu observieren. Und Anarchisten zu aergern. Wobei er sich eher von meinem Staatsmacht-unbeeindruckten Erscheinungsbild und dem ewigen Um-ihn-herum-springen auf der Suche nach der richtigen Biersorte gestoert fuehlt, als ich mich von ihm. Dabei wollte ich wirklich nur gutes Bier finden, was hier zwar moeglich aber schwierig ist. Henry, wie ich unseren Cop nach laengerer Studie getauft hatte, wurde zunehmends nervoes und verliess seinen Lieblingsplatz zu meinen Gunsten. Argwoehnisch fokussiert er mich nach dem Verlassen des Ladens und ich bin mir noch nicht sicher,ob ich mich freuen kann, einen Cop aus dem Konzept gebracht zu haben. Schliesslich gibt’s hier viel davon. Andererseits bin ich mir auch sicher, dass sie mit weitaus demuetigerenden Begegnungen zu tun haben, und sich um den lokalen Anarchisten eher weniger Gedanken machen. Zu kurz gedacht, haehae….

Zurueck zuhause lasse ich mich mit dem rotblondem Pils auf die persoenliche Pilgerstaette vor dem Kamin nieder. Und sogleich beginnt die Stimmung zum Wochenende und der Feierabend wird komplettiert. Prost!

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Dann werde ich wohl weitermachen muessen. Und um das Feedback im Auge zu behalten, gibts nen Counter, wie es sich fuer jede drittklassige Website gehoert. Und als Ansporn: spaetestens alle 500 Besuche gibts ne neue Geschichte und bei jedem Tausenderwechel wechselt das Design! Ranhalten:

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