Friday I’m in love

SUBTITLE: Auf dem Highway ist die Hoelle los

Mittlerweile tritt der Alltag in die neu gewonnene Lebenserfahrung ein. In der Woche jeden Morgen der fantastische Kampf ums Ueberleben auf den breitspurigen Highways. Erinnert mich an den alltaeglichen Krieg auf der A2, mit nur kleinen Unterschieden: erstens sind hier die Autos um einiges groesser, zweitens erkennt man die Blinkanlagen, die aus der Rueckbeleuchtung in modifizierter Frequenz aber gleicher Farbe und Leuchtintensitaet bestehen, ueberhaupt nicht. Und drittens sind die Autos hier verdammt gross. Nochmal zurueck zum Abbiegeerkennungssystem: interessant finde ich, dass, zumindest bei den Chrysler- und Dodge-Modellen, der Scheinwerfer im Taglichtmodus beim Blinken erlischt. Ueber den tieferen Sinn habe ich noch nicht nachgedacht, lediglich den Fehler in der Elektrik vergeblich gesucht. Die Blinkfrequenz ist sicherlich der Niedrigspannung einheimischer Netzversorgung angepasst – und so erscheint alles cool und relaxed. Und das ist mal ein Benefit gegenueber dem hektischen Blinken franzoesischer Kleinstvehikel. Des Weiteren telefoniert hier irgendwie jeder ohne entsprechende handsfree Installation im Wagen. Das ist sicherlich mit einer der Gruende, warum ich tatsaechlich taeglich an mindestens einem Unfall vorbeirausche. Allerdings lediglich Blechschaden, denn ich muss mal erwaehnen: die Autos sind hier verdammt gross.

Telefonieren am Steuer ist auch hier teuer und verboten. Weitaus dramatischer ist aber, dass die Versicherungspraemie direkt an die Fahrweise gekoppelt ist. So dass also auch Punkte und selbst Speeding Tickets zu einer Erhoehung des Versicherungsbeitrages fuehren. Und das nicht zu knapp. Deshalb versucht der gemeine Kanadier also so gut er kann, sich an die Regeln zu halten. Damit das auch klappt, gibt es davon nicht zu viele. So ist das Rechts-Ueberholen geradezu gewollt, geht ja auf den 16-spurigen Highways auch nicht anders. Rechts abbiegen geht immer bei rot, links nur zu bestimmten Tageszeiten, und die Gelbphasen wurden extra lang gemacht, damit auch der groesste Truck nach 1,5 Meilen Bremsweg zum Stehen kommt.

So duese ich also mit der Grossstadt im Rueckspiegel, der florierenden Wirtschaft vor der Motorhaube im hitzigen Spurwechsel ueber freie Luecken zur Arbeit. Ja, das ist schon geil. Vor allem mit den Bandit-Trucks ausserhalb der Stadt… Und selbst die Strassen weitab der Highways fuehren Spuren, die drei derselben deutscher Stadtautobahnen beinhalten. Und davon gibts dann auch noch drei. Ja, hier koennen die in Europa heiss diskutierten Supertrucks auch fahren, fuer die Autobahnen drueben sehe ich schwarz. Mit diesen Eindruecken beginnt der – wenn es gut lauft 8-, wenn es schlecht laeuft 12-Stunden-Tag. Und diesen blende ich in dieser Geschichte aus Geheimhaltungsgruenden mal aus…

Feierabend. Endlich. Hier wird der Feierabend auch seinem Namen gerecht: es ist Abend. Und deshalb umso dringender Zeit, die Arbeit hinter sich zu lassen und dem Wochenendbeginn zu froenen. Auf den breiten und unzaehligen Spuren des Highways tobt der Kampf um die wenigen Minuten, die man eher zuhause sein kann. Und das macht unglaublichen Spass. So jage ich einen Honda nach dem anderen, und dabei immer bedacht darauf, im toten Winkel der Cops zu bleiben. Auch wenn ich noch keine Erfahrung mit der highway patrol sammeln durfte, so meide ich doch lieber Begegnungen mit den lokalen Sheriffs. Ein Truck schert knapp vor mir auf meine Spur, und nimmt mir damit die Chance, den getunten Accord zu schlagen. Naja, aergere ich die Stretchlimo hinter mir und schneide ihr die Spur. Es ist eine unglaubliche Verschwendung an Bremsenergie und eine durchaus uneffiziente Fahrweise, aber beiweitem nicht so aggresiv und voellig daemlich wie manch Verhaltensweisen nordeutscher Verkehrsteilnehmer aus Staedten mit Muehlenmuseum.

Endlich zuhause. Den Hausputz schnell und musikalisch absolviert, geht es nun daran, die Vorraete zu fuellen. Schon beim Weg in den Beerstore faellt mir die ungewohnte Praesenz der Cops in meinem Viertel auf. Streifenwagen durchziehen die von Drogenabhaengigen ueberfuellten Strassen. Im Beerstore begruesst mich gleich der naechste Cop, der an diesem  Abend in schusssicherer Weste, Oberlippenbart aber freundlich dominantem Laecheln hier abgestellt wurde, um die aermsten Penner beim Umtausch ihrer Betteleinnahmen zu observieren. Und Anarchisten zu aergern. Wobei er sich eher von meinem Staatsmacht-unbeeindruckten Erscheinungsbild und dem ewigen Um-ihn-herum-springen auf der Suche nach der richtigen Biersorte gestoert fuehlt, als ich mich von ihm. Dabei wollte ich wirklich nur gutes Bier finden, was hier zwar moeglich aber schwierig ist. Henry, wie ich unseren Cop nach laengerer Studie getauft hatte, wurde zunehmends nervoes und verliess seinen Lieblingsplatz zu meinen Gunsten. Argwoehnisch fokussiert er mich nach dem Verlassen des Ladens und ich bin mir noch nicht sicher,ob ich mich freuen kann, einen Cop aus dem Konzept gebracht zu haben. Schliesslich gibt’s hier viel davon. Andererseits bin ich mir auch sicher, dass sie mit weitaus demuetigerenden Begegnungen zu tun haben, und sich um den lokalen Anarchisten eher weniger Gedanken machen. Zu kurz gedacht, haehae….

Zurueck zuhause lasse ich mich mit dem rotblondem Pils auf die persoenliche Pilgerstaette vor dem Kamin nieder. Und sogleich beginnt die Stimmung zum Wochenende und der Feierabend wird komplettiert. Prost!

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