Archive für 12-2-11

Cotton-eyed Joe

Ein weiterer Trip fuehrt mich dieses Mal ganz tief in die Staaten: Texas. Auch davor werde ich eingehend gewarnt. Mittlerweile geschult im Umgang mit den Grenzern und jeglichem Sicherheitspersonal finde ich mich ziemlich schnell in einer komfortablen 737 wieder, die mich in knappen drei Stunden nach Dallas bringt.

Hier bin ich zum ersten Mal beeindruckt von dem riesigen, aber dennoch sehr ambitionierten und technisch voll ausgestatteten Flughafen. Daber versagt der Ostdeutsche schon an der Drehtuer. Bleibt stecken, loest einen Alarm aus und wird von einer aus dem Navi bekannten Frauenstimme in einer Endlosschleife darauf hingewiesen, „den Knopf“ zu druecken. Der einzige Knopf sieht zwar aus wie ein Notaus und laesst mich Zoegern, aber meine Erfahrungen der Folgen, nicht auf Frauen zu hoeren, lassen meine Hand schmunzelnd zum Knopf gleiten. Natuerlich wurde es schlimmer und lauter, hektisches Personal eilt heran und ich kann gerade noch durch die nun rueckwaerts bewegliche Tuer und einen seitlichen Ausgang fliehen. Witziges Spiel. Im Shuttle zu einem anderen der fuenf Terminals, wo ich weitere Kollegen erwarte, ueberlege ich glatt, das zu wiederholen. Dort allerdings ist das ueberwachende Personal zu zahlreich. Und lustig verkleidet. Kaum zehn Sekunden stehe ich rum, schon fragt mich die erste Dame in Pfadpfinderuniform, wie sich spaeter herausstellt, sieht hier die Polizei so aus, ob sie mir helfen koenne. Freundlich nehme ich das Angebot an. Aber die oberflaechlichen Antworten zum Flughafen kann man sich auch so zusammenreimen: “Sie stehen an einem Kofferband, wenn ihre Kollegen Koffer haben, muessten sie hier vorbei kommen”. Ach. Danke. Also warte ich auf einer Bank auf die Ankunft der beiden. Schon kommt der naechste Greis und bietet mir Hilfe an. In Deutschland haette ich sein Outfit in Richtung oberbayrischer Kleinwildjaeger eingeordnet. Hier in Texas bekomme ich langsam eine leise Ahnung, was mich erwartet.

Auf den Highways merkt man, wo die Oeldollars stecken. Waehrend man Autobahnkreuze simpel mit einer Bruecke und entsprechenden Rampen bauen koennte, hat man hier den Eindruck, man musste mit der Strasse so weit wie moeglich der Erdanziehung entfliehen. Schon Meilen vor dem Kreuz gehts dem Himmel entgegen. Spinnenartige Skyways verwirren ob der staendig aendernden Richtung. Diejenigen, die es wagen, diese Bermuda-Dreiecke ohne Navi zu befahren, suchen heute noch verzweifelt den richtigen Ausweg. Und was fuer Brueckenbauten. Natuerlich auch gleich fuer saemtliche Strassen, so dass man gar nicht mehr weiss, was ueberhaupt ueberbrueckt werden soll. Jedenfalls sieht so jedes Kreuz aus, was uns begegnet. Beeindruckend.

Von den Einwohnern war ich eher enttaeuscht. Anstatt korpulenter bildungsferner Durchschnittsamis haette ich den typischen Cowboy mit Colt, fransiger Jeans und bohnensuppendurchsippten Cowboyhut erwartet. Aber vermutlich muss ich dafuer weiter aufs Land raus. Pick-up-Trucks dominieren das Strassenbild, soviel war schon vorher klar, aber von den Dimensionen bin ich immer wieder beeindruckt. Zum Dinner gibt es natuerlich ein schoenes Steak, was im richtig gewaehlten Restaurant auch ehrlich gesagt ein echter Genuss ist. Und auch hier faellt wieder der Ossi auf, der nur die 18 Unzen Fleisch bestellt, dafuer aber den Teller leer kriegt, waherend die amerikanischen Tischgenossen sich fuer die 26 Unzen entscheiden, um die Haelfte uebrig zu lassen. Und das bei $50 pro Teller.

 Texas Combo

Am naechsten Morgen geht es schon zurueck, natuerlich nicht ohne abschliessende Komik. Mich auf einen entspannenden Flug freuend, wird mir mitgeteilt, das Flugzeug wurde downgegraded. Um es kurz zu machen: kennt ihr noch die Maschinen aus Filmen wie “Liebling ich habe die Kinder geschrumpft”? Irgendein Geheimprojekt der Nasa in Texas muss so etwas mit den Flugzeug gemacht haben. Es gab nicht mal mehr Platz fuer Handgepaeck. Und ich freute mich riesig, den wegen der kleineren Maschine ja laengeren Rueckflug wie folgt geniessen zu duerfen: natuerlich Fensterplatz, so dass der Kopf im leichten Neigungswinkel zum Rumpf gehalten werden muss. Zudem sitzt neben mir ein vermeintlicher Footballspielers, der nicht nur die Armlehne, sondern auch ordentliche Zentimeter von meinem Platz beanspruchen muss. Auf meinem kleinen Tischchen wurde dann auch das kleine Kaeffchen im Styroporfingerhut serviert. Dazu eine Erdnuss zum Knabbern. Und eine Serviette in Groesse der Abtropfringe bei Bierglaesern in Kneipen. Zu allem Ueberfluss ist die Dame hinter mir auch noch erkaeltet.

So uebertuenche ich meinen koerperlichen und seelischen Schmerz mit ob der lautstarken Motoren neben mir nur wage zu erahnender Musik des voll aufgedrehten mp3-Players und den Erinnerungen an Texas. Gerne wieder.

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