Archiv für den Monat: September 2011

Roadkill

Eine starke Boee fegt ueber den Asphalt und spielt mit den weichen, langen Haaren des kastanienbraun schimmernden Schwanzes. Die umgebenden Baeume der zu dieser Zeit minder befahrenen Allee stimmen rauschend ein in die Melodie des Spaetsommers. Traurig wiegen sich die lichter werdenden Zweige angesichts des nun auch in dieser Strasse umherschleichenden Todes. Der blutige Kopf des kleinen Nagers verschmilzt mit der groben Koernung des billigen Asphalts und seine geschlossenen Augen zeugen von der Melancholie dieser Jahreszeit: er wusste genau, das er sterben wuerde…

 

Dann faehrt ein schwerer Omnibus ueber den noch warmen Leib des soeben aus dem Leben geschiedenen Tieres und drueckt ohne merklichen Widerstand den Rest des Kadavers in den Belag der einst so lebendigen Strasse. In gleicher Geschwindigkeit faehrt der Bus weiter und passiert mein offenes Fenster. Stille Schreie einer befreiten Seele dringen in den dunklen Raum, und verhallen ungehoert… Stumm blicke ich aus dem Fenster zur Ungluecksstelle, hebe mein Glas auf das so viel Freude spendene Wesen, und widme mich wieder den menschlichen Problemen.

 

Und diese sind bekanntlich weit weniger dramatisch: viel zu ueberzogene Hysterie auf den Finanzmaerkten, Reunion von Kirche und Staat im Bundestag und eigentlich versinkt alles in strahlender Harmonie… ebenso wie das Rickard’s in meiner Kehle. Ja, ich habe endlich ein Gebraeu gefunden, das dem Begriff “Genuss” wieder wuerdig ist. Rickard’s gehoert zwar zur grossen Molson-Brauerei, zeugt allerdings – anders als das uebliche Bier von Molson – von Geschmack. Und das in verschiedenen Richtungen. Hier gibts das Rote, das ein buchenfassgereiftes Wildes imaginiert, das herbe dunkle, das die saechsische Schweiz ins Glas holt oder aber ein blondes Pils, was angeblich deutscher Pils-Braukunst nachempfunden wurde, aber eher an hopfiges, verduenntes Bockbier erinnert. Die anderen beiden sind aber – verglichen mit den Mitbewerbern – gut. Also, ein Prosit in Gedenken an die vielen Opfer der Strasse, die uns am naechsten ist und auf ein Wohl auf einen gemuetlichen Tagesausklang im Beginn des Herbstes, auf welchem Kontinent auch immer!